Mogli

Autorin: Cornelia, Moglis "Mutter"
Einen Hund wünsche ich mir seit dem ich denken kann. Dieser Wunsch stand während meiner ganzen Kindheit im Vordergrund, dennoch wurde er nicht erfüllt, da meinen Eltern die Aufgaben und die Verpflichtungen, die man mit einem Hund eingeht, zu viel waren. Als kleines Kind musste ich diese Entscheidung akzeptieren, heute weiß ich, dass es von meinen Eltern die richtige Entscheidung war.

Denn eines wurde mir seitdem ich nun, vermeintlich erwachsen, und mir somit meinen Hundewunsch endlich selber erfüllen konnte, gleich klar: Schafft sich eine Familie mit Kindern einen Hund an, dann müssen die Eltern absolut davon überzeugt sein, vor allem der Elternteil, der die Hauptaufgabe übernimmt. Ein Hund darf nicht einfach aufgrund von großen überzeugenden Kinderkulleraugen angeschafft werden - man muss es selber wollen – ansonsten verzweifelt man glaube ich recht schnell am Dreck im Haus, an der Arbeit mit einem kleinen Welpen, der Erziehung...

   

Ich war dreißig Jahre alt als es dann endlich so weit war, dass sich mein größter Kindheitswunsch erfüllen sollte. Durch meine drei kleinen Kinder war ich sowieso weitgehend zu Hause beschäftigt und hatte nun endlich Zeit für einen Hund. Von der Einstellung her, wäre ich gerne ins Tierheim marschiert, um einem der vielen armen Hunden ein neues zu Hause zu geben. Doch mit einem Tierheimhund, selbst wenn ich einen Welpen oder Junghund nehme, habe ich immer das Risiko, über einen bestimmten Zeitraum, den mein Hund erlebt hat nicht Bescheid zu wissen. Mit drei eigenen kleinen Kindern und entsprechend oft vielen weiteren Besucherkindern, von denen man allen gemeinsam nicht verlangen kann, dass sie immer besonnen und überlegt mit dem Hund umgehen, war uns dass zu riskant. So informierten wir uns über Hunderassen und Züchter.

Was wir wollten, war ein familientauglicher Hund mit gutmütigem Charakter. So kamen wir sehr schnell auf die Rasse der Retriever und fanden eine Züchterin von Labrador Retrievern in unserer Umgebung. Sie war sehr freundlich, irritierte mich dennoch zunächst, da sie mich sehr genau befragte warum wir einen Hund wollten, und uns einige Bedingungen stellte. Anderseits ja richtig, um einen weiteren Hund, der nach einem halben Jahr im Tierheim landet, zu vermeiden.
Nach einem halben Jahr Kontakt und einigen Besuchen, war dann der richtige Wurf für uns dabei. Wir vertrauten der Züchterin, als sie uns bei der Auswahl aus dem Wurf beriet, da sich selbst bei den kleinen Welpen für ein geschultes Auge nach kurzer Zeit verschiedene Charakterzüge erkennen lassen. Nach acht Wochen bekamen wir unseren kleinen Mogli mit nach Hause, und es begann eine aufregende Zeit.

Während die Kinder mit diesem kleinen schwarzen Knäul im Glück schwebten, begann für mich richtig viel Arbeit, ich hatte ein viertes Kind bekommen. Es hieß wieder nachts Aufstehen, tagsüber stets ein Auge auf den kleinen Fratz haben, dass er nicht irgendwo hinmacht oder etwas kaputt nagt.
Und dann ging es um die Erziehung. Unser Ziel war es nie mit unserem Hund irgendwelche Preise zu gewinnen, dennoch war klar dass Mogli einen gewissen Grundgehorsam lernen muss. Ich wollte ohne Bedenken mit ihm spazieren gehen und er sollte auch nicht als sechstes Familienmitglied mit am Tisch sitzen. Übers Internet fand ich die Adresse von Sonja heraus und wir vereinbarten einen Termin. Das hieß, unsere gesamte Familie marschierte zu Sonja und wir führten ein langes Gespräch.

Das wir unseren Hund liebten, sah sie glaube ich sofort, sie erkannte aber auch sehr schnell, wo Probleme waren, weitere entstehen könnten und wo Moglis Schwächen lagen. Für Mogli war das ganze Leben ein einziges Fest, gespielt wurde mit jedem Hund, ob der wollte oder nicht, er war ein totaler Draufgänger, nicht fähig die Hundesprache zu sprechen.
Überzeugt davon, bei Sonja in die Hundeschule zu gehen, wurden wir davon, wie sie mit ihren eigenen Hunden umging, wie sie ihr gehorchten, ohne dass sie sie unterdrückte.

 
 
Wir begannen mit Einzelstunden, in denen Mogli – und selbstverständlich ich auch - den Grundgehorsam lernten, den ich natürlich nun immer wieder anwenden muss, damit er nicht verloren geht. Nach einem Vierteljahr kamen wir dann in die Junghundgruppe, in der Mogli lernte, andere Hunde zu verstehen und sich einzugliedern, ganz einfach knigge zu werden. Fasziniert hat mich in dieser Hundegruppe wie Sonja es schafft in einer Gruppe von so unterschiedlichen Hunden, mit so unterschiedlichen Charakteren und somit auch Problemen, diese nicht nur zu erkennen, sondern auch noch zu beheben. Streng und bestimmt, aber immer liebevoll und voller Achtung vor den Tieren.
Mogli und ich arbeiten nun seit einem Jahr mit Sonja und ich glaube sagen zu können, natürlich ganz objektiv, dass Mogli dank dieser Arbeit zum besten Hund der Welt geworden ist. Ich selber bin dankbar, dass mein Hund einen Grundgehorsam hat, so dass wir im Alltag (bis auf kleine Einbußen, wenn´s um Katzen geht) toll zurecht kommen. Was ich als Bereicherung für mein eigenes Leben mitnehme ist die Tatsache, dass ich dank Sonja und einem tollen Buch (Calming Signals) gelernt habe, selber die Hundesprache zu verstehen. So bin ich meinen Lieblingstieren noch näher gekommen.

Was bleibt da noch zu sagen?

Wir sind überglücklich mit unserem Mogli. Unser Leben bereichert er mit Mehrarbeit, Dreck und unendlicher Freude. Ich würde mich sofort wieder für einen Hund entscheiden, bin sehr zufrieden mit der Züchterin gewesen und bereue nur, erst auf Sonja gestoßen zu sein, als Mogli ein dreiviertel Jahr alt war. Sie ist eine tolle Trainerin!

Oder, noch einfacher gesagt:

Ein Leben ohne einen Hund ist ein Irrtum. (Carl Zuckermayer)

 

 

Cindy

Autorin: Elke, Cindys "Mutter"

Himmelfahrt 2007: Wir – eine ganz gewöhnliche Familie mit 3 Kindern – standen am Tor zum Tierheim und waren enttäuscht, verschlossene Türen vorzufinden. Spontan, wie wir nun mal sind, waren wir einfach losgefahren, um uns einen ganz bestimmten Hund anzusehen. Das hatte ja nun nicht geklappt. Meine Jungens ließen mir aber keine Ruhe und so standen wir am Freitag zur Gassi-Geh-Zeit wieder da. Leider war unser „Wunschhund“ schon reserviert und wir hatten keine Chance. Ein Pfleger bot uns an, mit einem anderen Hund spazieren zu gehen. Cindy. Wir waren einverstanden und wie es der Zufall wollte, war sie schon unterwegs. Also wieder nichts. Es wurde Sonnabend und wir waren fest entschlossen, uns Cindy anzusehen. Ein kleines bisschen wussten wir schon von ihr. „Cindy ist ein acht Monate altes schmales Schäferhund-Mischlingsmädchen, das es bislang nicht allzu gut in ihrem Leben hatte.“ So stand es in der Anzeige vom Tierheim. Das konnte uns nicht schrecken. Wir hatten noch nie einen Hund, aber wir waren voller Tatendrang. Und dann holte sie der Pfleger aus dem Zwinger. Ein kleines verängstigtes Hundemädchen, das aus dem Zwinger gezogen werden musste. Wir waren freudig auf sie zugegangen und Cindy hatte so schlimm Angst, dass ich sie am liebsten wie ein Kind auf den Arm genommen hätte. Nach vielem Ziehen und gut Zureden kam sie mit uns. Der erste Spaziergang war fürchterlich. Cindy bellte nicht, sie kläffte alles an, was sich bewegte und an ihr vorbei wollte. Hinterher war ich fix und fertig und Cindy verkroch sich in ihrem Zwinger und ward nicht mehr gesehen. Das war ja eine schöne erste Begegnung.

  

Und doch waren wir die ganze nächste Woche immer wieder bei ihr. Es dauerte nicht lange, da wartete sie schon am Zaun und freute sich riesig, uns zu sehen. Sie wusste, es gibt Käse! Der erste kleine Erfolg. Dann kamen die Familienkonferenzen. Darf Cindy zu uns ziehen? Sie durfte. Eine Woche später kam sie zu uns. Und damit ging das Drama los. Cindy kannte nichts, was für uns ganz alltäglich war. Eine schnelle Bewegung und weg war sie. Meinen Mann stellte sie gleich am 2. Abend an der Tür. Der Ärmste hätte fast im Auto schlafen müssen. Cindy war der unruhigste und zappeligste und lauteste Hund, den ich je gesehen hatte. Sie schaffte es nicht, sich eine Stunde auf ihre Decke zu legen und zu schlafen. Cindy bewachte und horchte und bewachte und horchte und kläffte und immer so weiter. Dann kam er Durchfall. All dieser Stress, den sie sich selber machte, schlug ihr auf den Magen. Und da war dieser Gedanke. Sollten wir sie lieber ins Tierheim zurückbringen? Das war zu viel für uns. Denn leider schafften wir es nicht immer rechtzeitig nach draußen. Und Hundehaufen im Haus riechen nicht unbedingt gut.

Wir kämpften und fanden eine Hundeschule, die unsere und uns Cindy forderte und half, zu lernen und Selbstvertrauen aufzubauen. In vielen Einzelstunden erlernten wir, Vertrauen zu fassen. Sie lernte, dass auch eine Hundetrainerin sehr lieb sein konnte und ihr nie etwas Böses wollte. Cindy freute sich nun, lernen zu dürfen. Die Kommandos, die zum Grundgehorsam gehören. Sitz, Platz, Bleib usw. Cindy hatte Spass. Sie konnte aber auch ganz Teeny sein. Dann stand ihr ins Gesicht geschrieben: “Mach doch selber, ich heute nicht!“ Sie stromerte lieber - mittlerweile ohne Leine – auf der Wiese herum und genoss die neu gewonnene Freiheit!!! Es hatte soviel Mühe gekostet. Zuerst nur mit Leine, dann Schleppleine, dann Leine hinterher ziehen und dann kam der Tag, an dem Frau Hoegen sagte, ableinen. Mir war schlecht. Und meine Cindy belehrte mich eines Besseren. Sie hörte aufs Wort. Kam zurück wenn man rief und freute sich diebisch, wenn ich dachte, die kommt nie wieder. Lauter kleine Erfolge, die wir nie für möglich gehalten hatten. Und dann kam der Tag, an dem Cindy beinahe die rote Karte bekam. Es gab Kohlrouladen und Fräulein (so heißt Cindy, wenn sie Blödsinn gemacht hat) sah nicht ein, dass Herrchen gern noch die übrigen essen wollte und sie sollte leer ausgehen. Nach einem Termin ohne Hund kamen wir nach Hause und sie lag lieb auf ihrer Decke. Mit nichts Schlimmen rechnend, hörte ich einen furchtbaren Schrei. „Meine Kohlrouladen! Der Hund geht zurück ins Tierheim!!!“ Fräulein hatte die Folie vom Teller genommen, 3 Rouladen aufgefuttert, den Teller saubergeleckt und jetzt einen dicken Kugelbauch. Oh oh. Jetzt lebte sie gefährlich. Sie konnte betteln so viel sie wollte. Herrchen war sauer. Genau so lange, bis vor ihm ein Schäferhund mit einem Dackelblick um ein Streicheln bettelte. Dann war Schnecki (so heißt Cindy, wenn sie lieb ist) wieder die Beste.

Leider hatte Cindy absolut kein Benehmen, sobald wir aus der Haustür traten. Sobald sie Hunde sah, wurde sie hysterisch. Heute schafft sie es, mit 6 Hunden in einer Gruppe von lieben „Raufbolden“, soziale aber große Hunde, frei zu toben, zu spielen und zu lernen. Es kommen immer mehr Kommandos und Tricks dazu, die sie mit ganz viel Freude ausführt. Die Leckerlis lohnen sich ja auch immer. Cindy kann immer noch nicht stressfrei sein. Es liegt wohl in ihrer Natur, ständig aufpasssen und behüten und alles kontrollieren zu müssen. Aber wir schaffen es schon immer öfter, an Reizen vorbeizulaufen, ohne zu „sprechen“. Jeden Tag ein kleiner Erfolg und alle kleinen Erfolge ergeben einen heute viel sichereren und ganz lieben Hund. Das Gefühl, ich muss jetzt gleich vor Stolz platzen oder einfach meinen Hund knuddeln, kommt immer öfter. Nicht zu vergessen, diese Fortschritte wären nicht möglich gewesen, ohne unsere Frau Hoegen, Cindys Heißhunger auf Leckerlis und ganz viel Glauben daran, dass aus Fräulein, Schnecki, Süsse, Hundile Cindy halt ein fast normaler Hund werden kann.