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Neue Rassen braucht das Land?

März 2010

Altehrwürdige Züchter raufen sich die Haare: Merkwürdige “Rassen” sind auf dem Vormarsch.

Designerhunde werden sie herablassend genannt, in Anspielung auf den Vorwurf, man würde hier rein nach modischen, optischen Trends züchten. Ganz so, als ob gerade jene altehrwürdigen Züchter sich nicht schon seit Jahrzehnten diesen Vorwurfs schuldig machten.

Schauen wir uns den Deutschen Schäferhund an: Vorne Hund, hinten Frosch. Die Französische Bulldogge: der Zusatz “frei-atmend” ist hier Sonderausstattung. Der Cavalier KC Spaniel, dessen Gehirn zu groß für den Schädel ist.

Es muss sich was tun, denn die Kritik wird immer stärker, und kommt nicht mehr nur von außen. Da war der Dortmunder Apell, bei welchem sich Tierärzte, Tierschutz, Züchter und etliche Privatleute für eine Wende in der Hundezucht aussprechen. In England, dem Hundeland schlechthin, gab es 2009 den Supergau: BBC (etwa das britische ARD) nahm Anstoß an der Zurschaustellung von offensichtlich kranken Hunden auf Crufts, der weltweit größten Hundeshow. BBC bat, Rassen wie den Pekingese, Chowchow, Basset und Dt. Schäferhund von der Ausstellung auszuschließen. Die Veranstalter weigerten sich. Die BBC entschloss sich, Crufts nicht mehr im Fernsehen zu übertragen. Das war etwa so, als wenn RTL sich entschlösse, die Übertragung der Formel 1 abzubrechen.

Seit Jahrzehnten werden bei zahlreichen Rassen die herausragenden Merkmale weiter hervorgezüchtet: Bei Mops, Pekingese, Bulldogge und Co. das Kindchenschema, beim Neufundländer die tapsige Massivität, beim Dackel der lange Rücken, beim Chihuahua die großen, herausstehenden Augen. Zahnfehlstellungen, Probleme am Bewegungsapparat und Lidschäden wurden für die “Schönheit” billigend in Kauf genommen.

Das sind nur die offensichtlichsten verheerenden Auswüchse. Das Kapitel zu den Themen Verhaltensauffälligkeiten und Krankheiten wie Epilepsie wäre zu umfangreich.

Aus den USA kam schließlich die Idee, die Genpools zu erweitern und – amerikanisch ökonomisch eben – gleich noch ein paar wünschenswerte Eigenschaften hinzuzufügen. Antiallergenes Fell und Haut, kaum Jagdmotivation, gesundheitlich robust, bitte.

KETZEREI! schreien die Zuchtrichter, bei denen Rasse-Richtlinien wie “Tüpfelung, jedoch keine Schimmelung am Gesicht, an den Pfoten, an den Vorderläufen bis höchstens zu den Ellenbogen und an den Hinterläufen bis höchstens zu den Sprunggelenken ist zulässig. Schimmelung, Tüpfelung und Sprenkelung an jedem anderen Körperteil ist unerwünscht” Herzensfreude hervorruft.

Wir haben unendlich viele Jagdhunderassen. Doch wie viele Hunde werden noch jagdlich geführt? Wie viele Hütehunde sieht man heute noch bei den Schafen, und wann durfte ein Wachhund zum letzten Mal seinem Bedürfniss nachgeben und nach Lust und Laune auf dem Bauernhof bellen?

Es ist sinnvoll, sich zu fragen, warum alte Rassen mit starken genetischen Dispositionen plötzlich als Allroundhund herhalten müssen, aber nicht mehr jagen, schützen oder hüten sollen. Nur wenige neue anerkannte Rassen wie beispielsweise der Kromfohrländer werden ausschließlich für den schwierigsten Job der Welt gezüchtet: Familienhund.

Natürlich sind auch diese neuen Rassen nicht perfekt. Das Anliegen jedoch ist im besten Fall eines Pioniers würdig:

Antiallergene(s) Fell / Haut
Robuste Gesundheit
Mäßige “Triebe” in jeder Hinsicht
Nervenstark

So kommen die neuen, bewussten Keuzungen zustande, wie Labradoodle (Labrador und Pudel / Bichon), Goldendoodle (Golden Retriever und Pudel / Bichon) und Puggle (Mops und Beagle). Erst wenn die Ergebnisse (sprich: Welpen) über mehrere Generationen hinweg gleich sind, gilt eine Rasse als durchgezüchtet. Denn wenn man einen Mops mit einem Beagle kreutzt, wünscht man sich einen frei atmenden, robusten Nichtjäger. Genauso kann man aber der Mendelschen Vererbungslehre zufolge einen röchelnden Zwerg bekommen, der jedem Hasen hinterherhechelt. Es gilt also, abzuwarten.

Bis dahin hier ein Überblick über die “neuen Rassen”, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, da die Kreuzungslust blüht. Auch aufgeführt sind einige Rückzüchtungen, die nicht unbedingt moderne Anforderungen erfüllen sollen, sondern eher geschichtlichen Überlieferungen nachempfunden werden. Ebenso dabei: Kreuzungen, deren Sinn sich auch auf den zweiten Blick nicht erschließt, lässt man kommerzielle Gründe außer Acht.

Labradoodle (Labrador Retriever + Pudel / Bichon)

Goldendoodle (Golden Retriever + Pudel / Bichon)

Puggle oder Retro-Mops (Mops + Beagle oder andere)

Aussky (Australian Shepherd +  Siberian Husky)

Aussiedor (Australien Shepherd + Labrador Retriever)

Boxador (Boxer + Labrador Retriever)

Doxiepoo oder Doodle (Dackel + Pudel / Bichon)

Cockapoo (Cocker Spaniel + Pudel / Bichon)

Maltipoo oder Moodle (Malteser + Pudel / Bichon)

Schnoodle (Schnauzer + Pudel / Bichon)

Buggle oder Beabull (Beagle + English Bulldog)

Renascence Bulldog oder Ironbull (English Bulldog + ??)

Germanischer Bärenhund (Bernhardiner + verschiedene große Hirten- und Hütehundrassen??)

Antik Dogge (Cane Corso + Dogo Canario)

Shiloh Shepherd (Alaskan Malamute + Dt. Schäferhund)

Elo (Chow chow + Bobtail + Eurasier + Spitz + Pekingese + Bobtail + …)

Great Scott (Deutsche Dogge + Scottish Terrier)

Jack Shit (Jack Russell Terrier + Shih Tzu)

Jack in the box (Jack Russell Terrier + Boxer)

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Warum Hunde Kot fressen

November 2008

Es ist eklig, nicht ganz ungefährlich, und ein häufiges  - und verschwiegenes – Problem: Hunde, die Kot fressen (Koprophagie).

Das Schnüffeln am Kot anderer Tiere ist normal und wichtig. Hier erfährt der eigene Hund, wann das andere Tier hier war, ob er es kennt, was es an diesem Tag und davor gefressen hat, … Die Hinterlassenschaften sind also ein soziales Instrument, so widerwärtig es auch klingen mag.

Kot von Pferden, Schafen, Katzen und Co. sind für hungrige Hunde einfach nur lecker. Gleiches gilt manchmal für Menschenkot, was aufgrund der vielen Medikamente, die Menschen zu sich nehmen, gefährlich ist.

Anders verhält es sich mit dem Fressen von Hundekot (eigener und anderer): Dies ist (außer bei einer laktierenden Mutterhündin) nicht normal. Hundekotfressen ist also der deutliche Hinweis auf ein Problem. Koprophagie ist demnach nicht als lästig, sondern als Chance zu betrachten.

Hunde fressen Kot, weil:

sie extremen Hunger haben. Dies gilt besonders für ewig hungrige Rassen wie Labrador Retriever, Beagle, Berner Sennenhund, Cocker Spaniel, etc., aber auch für Hunde, die ihr immergleiches Trockenfutter nicht mehr riechen können. Der Gedankenanstoß: Ist es schön, ständig Hunger zu haben? Wäre es nicht sinnvoll, eine Futtermethode zu wählen, die den Hund zufrieden satt macht?

sie an einer Mangelerscheinung leiden. Auch hier ist eine Futterüberprüfung wichtig. Fakt ist, dass Hunde das Kotfressen oft einstellen, sobald sie mit selbst zubereitetem Futter unter der Verwendung von Rohfleisch ernährt werden. Auch hilfreich: Grüner Pansen und Harzer Roller (Stinkekäse). Die Forschung läuft, ob Hunde aufgrund eines Mangels an Verdauungsenzymen oder Fäulnisstoffen Kot fressen. Diese wären nämlich in Pansen, Harzer Roller oder eben Kot enthalten.
sie Würmer haben.

sie gestresst sind. Hunde bauen Stress (wie viele Menschen auch) durch Essen ab. Das Malmen der Kieferknochen setzt Endorphine (Glückshormone) frei. Hier muss sich der Halter Gedanken machen, was seinen Hund stresst.

er durch künstliche Lockstoffe gut schmeckt. Manche Futterhersteller “verbessern” ihre Produkte durch Lockstoffe, die so stark und unverwertbar sind, dass sie mitausgeschieden werden. Solche Hundehäufchen haben oft eine unnatürlich rote Farbe.

sie gelernt haben, dass sie dadurch Aufmerksamkeit bekommen. Den ganzen Spaziergang über hat der Mensch kein Interesse am Hund – bis dieser Kot frisst! Dabei ist es unwesentlich ob der Halter seinen Hund nun abruft oder ausschimpft, denn auch negative Aufmerksamkeit ist besser als keine, und somit eine Bestärkung des Verhaltens. Oder: Beim Weglocken von der “gefährlichen” Stelle lernt der Hund schnell folgende Handlungskette: Ich interessiere mich für den Kot, werde abgerufen, ich komme und kriege ein Leckerli.

ihr Leben in einer Puppy Mill (Welpenfarm) begann. Welpen aus einer derartigen Aufzucht bekommen oft zu wenig zu essen, und ernähren sich dann vom eigenen Kot oder dem ihrer Geschwister. Dieses wird dann zu sehr früh erlerntem Verhalten, welches später, auch bei kleinstem Hunger, wiederbelebt wird.
Je nach Ursache ergeben sich verschiedene Lösungsmöglichkeiten, die mit einem Trainer, Ernährungsberater, Tierarzt  oder Heilpraktiker ausgearbeitet werden sollten.

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Gewitterangst

Es stürmt und kracht! Wenn es draußen gewittert, leiden viele Hunde große Angst. Sie sind mit dem plötzlichen Lärm, dem tosenden Wind, den Lichtblitzen, aber auch mit der elektrischen Spannung in der Luft überfordert, und reagieren häufig mit Flucht und Verstecken. Hier finden Sie einige Tipps, wie Sie bei Gewitterangst und ähnlichen Problemen am besten handeln. Je nach Stärke der Angst (vom leichten Hecheln bis zu Dauerbellen, Erbrechen, Urinieren, etc.) können, müssen aber nicht alle Tipps Anwendung finden.

Bleiben Sie selbst ruhig. Panik und Gelassenheit sind gleichermaßen ansteckend. Wählen Sie für sich eine entspannte Beschäftigung: Lesen, Fernsehen, Schreiben, Schlafen, … Vermeiden Sie jede Hektik, da schnelle Bewegungen den Hund noch mehr erregen.
Füttern Sie das Gewitter schön. Sobald es kracht, holen Sie die Knabbersachen raus. Keine Sorge, der Hund wird damit nicht für seine Unsicherheit belohnt. Er wird vielmehr aus seinem Jammertal herausgeholt, oder – bei klugem Einsatz – gar nicht erst zum Jammern kommen. Holen Sie tolle Sachen raus. Sie müssen immerhin gegen ein Gewitter antreten. Völlig ungesunder Tipp meiner Hündin Sophie: Butterkekse.
Packen Sie den Hund ins Auto. Viele Hunde kommen im Auto gut zur Ruhe. Unter anderem auch, weil Autos wie Faradaysche Käfige wirken. Vor einem Gewitter ist die Luft voller Elektrizität. Darum haben Hunde oft auch schon Stunden VOR einem Gewitter Angst. Autos sind Metallkäfige, und halten diese Spannung außen vor.
Ermöglichen Sie Ihrem Hund die Flucht auf einen überdachten Platz, zum Beispiel in eine Hausbox, unter den Tisch, das Bett, etc. Bei Hunden ist das Bedürfnis nach behüteten Rückzugsräumen genetisch fixiert. Sie entspannen sich dort eher. Flucht ist eine sehr gute Lösung für einen Konflikt, die wir unseren Hunden nicht nehmen sollten. In vielen anderen Fällen freuen wir uns schließlich, wenn unsere Hunde “etwas aus dem Weg gehen”, zum Beispiel wenn sie von einem Kind oder einem anderen Hund bedrängt werden.
Gewöhnen Sie Ihren Hund generell an Geräusche. Geräusch-CD funktionieren hier sehr gut. Diese werden anfangs sehr leise gestellt, so leise, dass der Hund NICHT mit Angst reagiert. Wenn Sie die Geräusch-CD nach einer Weile Übung schließlich anmachen, und Ihr Hund nur gelangweilt mit den Augen rollt, ist es Zeit, die Lautstärke zu erhöhen. Gehen Sie langsam vor, und vergessen Sie nicht, den Player-Standort und die Track-Reihenfolge zu verändern. Hunde sind clever! Sie lernen sehr schnell, dass das leise Donnern aus dem Player im Wohnzimmer überhaupt nicht schlimm ist.
Entspannungshilfen wie DAP (Dog Appeasing Pheromone), Relaxan, Lavendel, Trommel-Trance, Rescue-Tropfen und ähnliches können sehr hilfreich sein. Klug eingesetzt, ist die Konditionierte Entspannung hervorragend. Hierbei lernt der Hund sich auf ein Signal hin zu entspannen. Es ist kein Abbruchsignal. Das Entspannungssignal funktioniert ähnlich wie bei Kindern die Einschlafmusik. Es kann ein Wort, ein Geräusch, eine Musik, ein Halstuch, ein Handzeichen, etc. sein. Wie die Konditionierte Entspannung aufgebaut wird, lernen Sie in einer guten Hundeschule.
Schließen Sie alle Fenster und ggf. Rolläden. Sperren Sie die Reize aus. Sorgen Sie für wenig Hall, und machen Sie ein Konkurrenz-Geräusch an, etwa ein Radio oder den Fernseher.
Ignorieren Sie die Angst Ihres Hundes nicht. Dieser Hinweis wird leider nur noch allzu häufig gegeben. Es ist zwar nicht sinnvoll, einen Hund in seiner Panik zu Trösten und zu Bemitleiden. Genausowenig sollten Sie aber Ihren Hund, der sich fürchtet, mit seiner Angst alleine lassen. Geben Sie ihm Halt, vermitteln Sie ihm Sicherheit. Die Beziehung zu Ihrem Hund ist am wichtigsten. Wenn Sie ihm sagen: “Deine Angst ist dein Problem”, ist das einer guten Beziehung nicht gerade zuträglich.
Geben Sie keine Medikamente, die hauptsächlich Acepromazinmaleat enthalten, beispielsweise Sedalin oder Vetranquil. Acepromazin ist sehr umstritten, und steht im Verdacht, nur die die Muskeln zu entspannen, den Kopf aber klar zu lassen. Der Hund wäre also gefangen im Körper.
Checken Sie die Gesundheit Ihres Hundes. Vor allem bei Hunden, die plötzlich geräuschsensibilisiert reagieren, kann eine körperliche Ursache zu Grunde liegen. Schmerzen sind angstfördernd, ebenso wie hormonelle Probleme. Hündinnen in der Läufigkeit oder Scheinträchtigkeit sind manchmal betroffen, ebenso wie Hunde mit Erkrankungen an der Schilddrüse.
Bei sehr sehr sehr starker Angst ist die Konsultation eines Tierarztes für Verhaltenstherapie sinnvoll. Dieser ist – im Gegensatz zu einem normalen Tierarzt – geschult in Sachen Psychopharmaka, und kann hier unterstützend eingreifen. Psychopharmaka leiden in Deutschland unter einem schlechten Ruf. Doch jedes Training hat Grenzen, und in extrem speziellen Fällen ist es richtig, mit einem leidenden Hund hier neue Wege zu begehen.
Stärken Sie das Selbstbewusstsein Ihres Hundes. Hunde, die in sich ruhen, können besser umgehen mit stressigen Situationen. Das Selbstbewusstsein lässt sich in vielerlei Hinsicht stärken, zum Beispiel durch freundliches Training, Erlernen von Tricks, Gerätearbeit, Lösen von Konflikten, eigenständigem Handeln, Nasenarbeit, Ruhe und Geborgenheit, mentalem Stimula, zahlreichen positiven Erlebnissen, etc.

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Hunde bei großer Hitze – wie schützen

Nordische Rassen, langhaarige / dickfellige Hunde, alte und / oder kranke Hunde – sie alle leiden unter der schwülen Sommerhitze. Menschen essen da gerne ein Eis. Solch eine Abkühlung ist auch etwas für Hunde.

Hitze-Tipp 1: Hühnerbrühe-Eiswürfel für Hunde

Anfangen mit kleinen Mengen, um die Verträglichkeit zu testen. Diese Eiswürfel kann man dem Hund direkt oder in den Wassernapf geben, um die Wasseraufnahme zu fördern

Hitze-Tipp 2: Tees, Sahnewasser und Fleischbrühe für Hunde

Sehr gefährlich im Sommer ist die Dehydration. Manche Hunde trinken einfach nicht genug, können sich infolge dessen nicht mehr konzentrieren, oder sogar einen Kreislaufkollaps erleiden. Ist Wasser nicht attraktiv genug, muss es eben aufgemotzt werden. Da die Geschmäcker verschieden sind, und es tatsächlich Hunde geben soll, die Fencheltee super finden, darf hier ausprobiert werden. Natürlich alles reichlich verdünnen. Um den Hund nicht langfristig an Sahneshakes zu gewöhnen, gilt es, diese baldmöglichst wieder abzusetzen.

Hitze-Tipp 3: Gefrorener Joghurt für Hunde

“Seufz”, sagen die Trockenfutter-Hunde. “Hurra”, schreien die bekochten Hunde. All jene, die an Nahrungsmittel außerhalb von Trockenfutter gewohnt sind, haben Glück. Denn viele Leckereien kann man (an-)gefrieren: Joghurt, Quark, Fleisch, Käse, Fisch, etc. Mit kleinen Mengen zwecks Verträglichkeit beginnen.

Im aktiven Training, bei längeren Spaziergängen oder bei der Nasenarbeit gilt es, (ggf. aufgemotztes) Wasser mitzunehmen, da die Schleimhäute und Riechepithele schnell austrocknen.

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Reißen und Zerstören – ein natürliches Bedürfnis

Hunde sind Raubtiere. In der Natur zerlegen sie ihre Beute, reißen und kauen. Bei uns bekommen sie ihr Fressen schluckfertig im Napf.

Die Reiß- und Zerstörungslust bleibt somit unbefriedigt – und wird an anderer Stelle ausgelebt. Zum Leidwesen der Menschen. Angekaute Schuhe, Socken, Bücher, Fernbedienungen und Stuhlbeine sind das Resultat, nicht nur bei Welpen. Gerade Junghunde schäumen über vor Energie. Und vielleicht würde auch so mancher ältere Hund mal gerne was zerreißen, wäre es ihm nicht verboten, die Schuhe auch nur anzuschauen.

Knochen, Ochsenziemer, gefüllte Kongs, aber auch Zottel, Plüschtiere und anderes Hundespielzeug haben ethnologische Berechtigung. Sie beschäftigen und pflegen die Zähne. Für letzteres ist das richtige Material wichtig. Ungeeignet sind in jedem Fall Tennisbälle. Ihre Beschichtung ist im normalen Hautkontakt unproblematisch. In Verbindung mit dem Speichel löst sie sich ab und ist hochgradig giftig. Außerdem sind Tennisbälle mit Gas gefüllt, das sich im ungünstigsten Fall in die Hundelunge entleert. Ebenso gefährlich: Die Zähne werden bei häufigem Tennisballspiel stark abgeschliffen.

Kauen macht glücklich!

Das Malmen der Kieferknochen setzt bei Säugetieren Endorphine (Glückshormone) frei und entspannt. Aus diesem Grund brauchen Menschenbabys Schnuller: sie trösten sich selbst. Jugendliche und Erwachsene bedienen sich lieber Kaugummis und Zigaretten. Klingt folgendes vertraut? Küssen ist schön, Fingernägelkauen baut Stress ab, und bei großer Wut knirscht man mit den Zähnen…

Wenn der Gedanke, seinem Hund einen ganzen Elch in den Garten zu legen, nicht verführerisch klingt, ist dies ein heißer Tipp für Sie: Packen Sie Ihrem Hund ein Päckchen! Verstecken Sie Leckerchen in Pappkartons und lassen Sie diese nach Herzenslust zerreißen. Anfangs die Pakete nur einfach gestalten (Gutti in Zeitungspapier einwickeln, Karton offen lassen); später kann man richtige Matroschkas bauen (Karton in Karton in Karton). Das fördert ganz nebenbei die Geschicklichkeit und steigert ernorm das Selbstvertrauen der Hunde.

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Wenn Hunde zu Schafen werden – Warum Hunde Gras fressen

Im Frühjahr geht es los: Genüsslich kauend weiden die Hunde auf der frisch ergrünten Wiese. Aber auch in anderen Jahreszeiten fressen die Raubtiere Gras, manchmal hastig und geradezu getrieben.

Warum fressen Hunde Gras? Hier die Gründe:

Das neue Gras schmeckt sehr saftig und aromatisch. Heuballen für Pferde oder Kaninchen, die jenen ersten Wuchs beinhalten, sind am beliebtesten und teuersten. Das Gras ist besonders nährstoff- und rohfaserreich, und hält damit den Darm in Schwung.
Gras hilft bei Stress. Es schmeckt süß, denn es enthält zuckerartige Stoffe. Wenn ein Hund überfordert oder sehr aufgeregt ist, also gestresst, sinkt sein Blutzuckerspiegel. Durch die Aufnahme von Gras steigt er wieder an, was dem Hund hilft, die Situation zu bewältigen, und seine Konzentrationsfähigkeit steigert.
Das Kauen und Malmen entspannt, da durch die Bewegung der Kieferknochen Endorphine (Glückshormone) freigesetzt werden.
Bei Magenproblemen dient Gras als Transportmittel. Wenn ein Hund etwas Unverdauliches oder Giftiges gegessen hat, sind Schmerzen die Folge, und der Körper möchte den Stoff möglichst schnell ausscheiden. Ein Hund erbricht sich also nicht, weil er Gras gefressen hat, sondern er frisst Gras, damit er sich erbrechen oder den Stoff rektal absondern kann. Darum wird übrigens auch oft die Gabe von Sauerkraut empfohlen, wenn der Hund ein Stück Plastik oder ähnliches geschluckt hat: Es wickelt sich wie Gras um den Fremdkörper.
Gras enthält Wasser, und wird daher von durstigen Hunden in Mangel einer Trinkquelle gefressen. Hunde haben übrigens nicht nur im Sommer beim Spaziergehen Durst. Hunde, die besonders viel Schnüffeln, oder Fährten laufen, brauchen mehr Wasser als andere, da die Nasenarbeit die Riechepithele stark beansprucht und die Schleimhäute austrocknen. Wassermangel verursacht – wie beim Menschen – Kopfschmerzen und beeinträchtigt die Konzentrationsfähigkeit. Stark gestresste Hunde benötigen ebenfalls mehr Wasser, da Stress die Nebennierenrinde beeinflusst, die wiederum den Wasserhaushalt im Körper steuert.
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Magendrehung beim Hund – Symptome und Ursachen

Es gibt zwei Arten von Magendrehungen: die mechanische und die saure. Bekannter ist die mechanische, aber auch viel seltener. Nach dem Fressen liegt die Nahung schwer im Magen, deshalb sollte der Hund etwa zwei Stunden hinterher ruhen. Sonst kann sich der Magen drehen. Allerdings reichte bei manchen Hunden der Sprung von der Couch, und es war geschehen.

Wesentlich häufiger ist die saure Magendrehung. Sie geschieht meistens aufgrund von unverdaulicher / schwerer / gärender / quellender Nahrung. Gase steigen auf, der Magen dreht sich.

Bei der Magendrehung dreht sich der Magen um die eigene Achse. Ein- und Ausgang sind abgewürgt, der Magen gast auf, wird immer größer, von außen knallhart und hohl wie eine Trommel. Er drückt auf die anderen Organe, Gifte entstehen, Gewebe stirbt ab. Der Kreislauf kollabiert. Nach etwa einer halben Stunde sind die Schäden meistens tödlich. Manche Hunde halten einige Stunden durch. Der Tod ist sehr schmerzhaft.

Welche Hunde sind von einer Magendrehung gefährdet

Rassen mit großem Brustkorb, wo der Magen viel Platz hat, sich zu drehen (Greyhound, Dackel, Dobermann, alle Molosser, …)
Gestresste Hunde: unruhiger Magen
Alte Hunde mit schwachem Bindegewebe
Rassen mit schwachem Bindegewebe (Shar Pei, Deutsche Dogge, Neapolitano, …)
Schnellfressende Hunde
Trockengefütterte Hunde: Nahrung liegt schwer und lange im Magen, quellt auf, gärt
Hunde, die nur 1x pro Tag gefüttert werden, oder die einen Futtersack leeren: zu große, unverdauliche Menge im Magen
Hunde, deren Verwandte eine Magendrehung hatten: Sie ist vererbbar
Natürlich gibt es noch viele weitere Ursachen. Nach wie vor jedoch gilt die Magendrehung als Rätsel. Die meisten Fakten wurden seit 1994 bei einer Langzeitstudie der Universität Purdue, USA, gesammelt.

Magendrehung ist in den USA die zweithäufigste Todesursache nach Krebs. In den Jahren 1964 – 1994 wurde eine Zunahme um 1500 Prozent (kein Schreibfehler!) registriert. Die Gründe hierfür sind noch unbekannt. Ausgegangen wird jedoch von Umweltursachen wie zum Beispiel veränderte Fertigfutterherstellung, veränderte Herstellung und/oder Verwendung von Impfstoffen etc. Zucht und Beliebtheit bestimmter Rassen lassen diese extreme Zunahme nicht erklären.

Ausführliche Informationen finden Sie unter:

http://www.bauernfreund.com/Info%20Board/Magendrehung.pdf

Das Schlimmste an der Magendrehung ist, dass man alle Vorsichtsmaßnahmen der Welt treffen kann, und trotzdem passiert es. Magendrehungen gab es auch schon bei entspannten, jungen Zwergpudel, die nach der drei Mal täglichen BARF-Fütterung aus einem niedrigen Futternapf zwei Stunden geruht haben.

Maßnahmen, um Risiko gering zu halten

Verzicht auf ausschließliche Trockenfütterung
Mehrmals täglich in kleinen Portionen füttern
Ruhe nach der Nahrungsaufnahme
Kalzium nicht in einzelnen riesigen Mengen füttern
Verzicht auf Hochnäpfe
Etwa die Hälfte aller Magendrehungen geschehen nachts! Haben Sie den Verdacht auf eine Magendrehung, packen Sie den Hund ins Auto und rasen Sie los. Jede Minute zählt! Rufen Sie Ihre Tierklinik von unterwegs an, damit sie den OP bereit machen. Jeder anständige Tierarzt hat kein Problem damit, nachts aufzustehen, auch wenn es dann doch “nur” eine Magenverstimmung war. Das ist schließlich ihr Job. Wenn der Hund schon stark aufgegast ist, und Sie Zweifel haben, dass er es noch in die Klinik schafft, entgasen Sie ihn selbst -Injektionsnadel in den Bauch. Dabei besteht zwar das geringe Risiko, die Milz zu treffen. Allerdings ist das nicht so schlimm, wie ein Hund, der es nicht mehr auf den OP-Tisch schafft.

Achtung: Manche Hunde gasen plötzlich auf, entgasen aber nach einer Weile wieder von selbst. Gehen Sie trotzdem zum Tierarzt. Dieser Vorfall kann auf ein Magenproblem hindeuten, und in einer Magendrehung münden.

Und nochmal Achtung: Dieser Artikel wurde nach bestem Wissen von Sonja Hoegen verfasst. Er erhebt keine Ansprüche auf Vollständigkeit, noch ersetzt er eine tierärztliche Beratung. Er stellt auch keine tierärztliche Meinung dar.

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Das Ruhebedürfnis der Hunde

Hunde sind wie Katzen. Sie brauchen genau soviel Schlaf. Sie sind sich genetisch sehr ähnlich. Nur ziehen sich Katzen – selbstständig wie sie sind – zurück, wenn sie Ruhe brauchen. Hunde tun das oft nicht.

Auch besonders unabhängige Rassen wie Shiba Inu, Laika oder Kangal nehmen sich nicht den Schlaf, den sie bräuchten. Außer, sie haben gelernt, darauf zu bestehen. Oder sie leben nicht mit Menschen zusammen. Verwilderte Haushunde in Italien und Spanien beispielsweise leben mit einem gesunden Ruhe-Rhythmus.

Das Erkennen des Ruhebedürfnisses ist noch angeboren. Das Beharren darauf allerdings nicht mehr. Haushunde wurden dazu gezüchtet, stets einsatzbereit und willig zu sein. Sehr deutlich ist dies bei den logischerweise am meisten benutzten Rassen: Golden Retriever, Jack Russell Terrier, Deutscher Schäferhund, Border Collie, etc. Diese Hunde sagen selten: “Ich will nicht mitmachen.”

Mit der Förderung dieser “Ich bin dabei”-Eigenschaft hat sich der Mensch einen Gefallen getan – und auch wieder nicht. Dem Hund übrigens nicht.

Schlaf und Ruhe sind lebenswichtig.

Im Schlaf werden die Geschehnisse der Tage verarbeitet. Darum haben Hunde – wie auch Menschen – nach einem außergewöhnlich anstrengenden Tag einen tiefen oder unruhigen Schlaf, je nachdem ob der Tag körperlich oder geistig anstrengend war.

Das Ruhebedürfnis von Menschen und dessen Unterschreitung wurde erst an Mäusen, dann an Hunden und schließlich an Menschen untersucht. Alle zeigten die gleiche Entwicklung (was ironisch ist, denn Humanforscher ziehen gerne den Hund heran, um Ergebnisse für den Menschen zu erhalten. Vielen Kynologen wiederum ist der Mensch-Hund-Vergleich verhasst. Sie fürchten die Vermenschlichung des Hundes. Die Ableitung Hund-Mensch ist also in Ordnung, die Ableitung Mensch-Hund aber nicht?).

Im ersten Stadium des Schlafentzugs wurden die Hunde überdreht. Im Zweiten unkonzentriert, grobmotorisch und fahrig. Im Dritten nervös und schnell reizbar. Im Vierten aggressiv und kränklich. Im fünften Stadium erkrankten sie schwer und / oder chronisch.

Im Lauf der Trainingsjahre hat sich dabei folgendes gezeigt. Retriever-Rassen verharren nicht allzu lange oder deutlich im Stadium der Aggression. Sie werden schneller chronisch krank, leiden zum Beispiel an Hautkrankheiten, da Schlafmangel das Immunsystem schwächt. Terrier-Rassen hingegen sind länger und auffälliger aggressiv, und fallen erst nach vergleichsweise langer Zeit in das Stadium der schweren Krankheit.

Aggression ist kein schlechtes Benehmen. Sie ist eine Warnung, ein deutliches Zeichen, dass der Hund überfordert ist. Es gilt, spätestens in diesem Stadium einzugreifen, bevor irreparable körperliche Schäden eintreten.

Viele Krankheiten können mit Überforderung in Zusammenhang gebracht werden, da Stress den Körper in seiner Gesamtheit schwächt. Krebs, Allergien, Organversagen und neurale Störungen werden auch beim Menschen durch Überforderung (mit-)verursacht.

Wie viel Schlaf und Ruhe braucht also ein Hund?


Erwachsene Hunde: 17 bis 20 Stunden. Welpen, Senioren und Kranke: 20 bis 22 Stunden. Eben wie Katzen. Dazu zählt auch das gemeinsame Rumhängen vor dem Fernseher.

Manchmal sagen Kunden darauf, dass ihr Hund aber nicht von selbst so viel schliefe. Nun, es muss ihm natürlich beigebracht werden, da Hunden, wie schon vorher erwähnt, das Einhalten des natürlichen Ruhebedürfnisses abgezüchtet wurde. Ein Ritual der Ruhe sollte etabliert werden. Manche Hunde sind so daran gewöhnt, immer in Aktion zu sein, dass sein Mensch sich anfangs mit ihm hinlegen muss.

Ein Nickerchen ist also angebracht. Haben Sie kein schlechtes Gewissen, wenn sich der Hund Sie drückt, und die Ohren über die Augen klappt. Schlafende Hunde soll man nicht wecken.

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