Im Frühjahr treten immer wieder Spritzmittelvergiftungen auf. Die Felder werden von den Landwirten mit Pestiziden besprüht, welche bei Hunden und anderen Tieren schwere Erkrankungen herbei führen können.
Was sind Pestizide?
Pestizide sind chemische oder biologische Stoffe, die eingesetzt werden, um unerwünschte Organismen zu bekämpfen oder zu kontrollieren. Dazu gehören Insekten, Unkräuter, Pilze oder Nagetiere, die Pflanzen schädigen oder Krankheiten übertragen können.
Der Begriff „Pestizid“ ist ein Sammelbegriff und umfasst:
Insektizide: gegen Insekten
Herbizide: gegen Unkräuter, zum Beispiel Glyphosat
Fungizide: gegen Pilze
Rodentizide: gegen Nagetiere
Pestizide werden vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt, um Ernten zu schützen und höhere Erträge zu erzielen. Sie kommen aber auch in Gärten, Haushalten oder im Gesundheitsschutz (etwa gegen krankheitsübertragende Insekten) zum Einsatz.
Wie kann es zu einer Vergiftung kommen?
Hunde werden im Frühjahr gern zu Schafen, und fressen mit Hingabe jungen Weizen und frisches, breites Gras (Warum? Das erfahrt ihr hier!). Wenn das Feld und leider auch der angrenzende Grasweg gespritzt wurde, nehmen die Hunde das Pestizid also oral auf. Andere Hunde laufen durch die gespritzten Felder oder auf den mitbespritzen Wegen, schlecken sich nach dem Spaziergang die Pfoten und das Fell, und haben somit das Gift ebenfalls oral aufgenommen. Weitere Möglichkeiten sind das Einatmen bei ganz frisch gespritzten Felden, das Trinken aus Pfützen in der Nähe der Felder, und die Kontamination über Lefzen, Haut und Pfoten.
Wie äußert sich eine Spritzmittelvergiftung beim Hund?
- Starkes Speicheln und Sabbern
- Erbrechen
- Gereizte Schleimhäute
- Futterverweigerung
- Durchfall und Bauchschmerzen
- Blutdruckabfall
- Atemschwierigkeiten
- Niereninsuffizienz
- Schock
- Taumeln, unsicheres Laufen
- Lähmungserscheinungen
- Apathie
- Zittern oder Muskelzucken bis zu Schüttelkrämpfen
- Sehr enge oder sehr weite Pupillen
- Schwäche bis zum Zusammenbruch
Je nach Kontamination mit dem Pestizid und dem Allgemeinzustand des Hundes müssen nicht alle Symptome auftreten. Wichtig: Derartige Symptome können auch durch die Lösungsmittel ausgelöst werden, in denen zum Beispiel das Glyphosat verrührt ist.
Was tun bei Verdacht auf eine Spritzmittelvergiftung?
Bei einer Vergiftung handelt es sich um einen Notfall!
- Hund sofort von der Fläche wegbringen
- Ggf. Pfoten mit Wasser abspülen
- Nicht zum Erbrechen bringen, außer ein Tierarzt sagt es
- Sofort Tierarzt oder Tierklinik kontaktieren
- Ggf. Giftnotruf anrufen: +49 551 19240
Vergiftungen können sich schnell verschlimmern. Gerade bei neurologischen Symptomen (etwa Lähmungserscheinungen und Krämpfe) zählt jede Stunde.
Wie häufig treten diese Vergiftungen auf?
Das Auftreten von Tiervergiftungen durch Biozide (also auch Pestizide) muss in Deutschland nicht gemeldet werden. Daher liegt keine allumfassende Dokumentation vor. Es ist aber mein Eindruck nach über 20 Jahren Hundeschule, dass es jedes Jahr zu mehr und vor allem schlimmeren Spritzmittelvergiftungen kommt.
Wie erkenne ich ein (frisch) mit Pestiziden behandeltes Feld?
Die Pflanzen haben einen leicht silbrigen Schimmer, manchmal ist ein chemischer Geruch festzustellen. Auch die frischen Spurrillen der Traktoren können ein Hinweis sein.
Ein paar Gedanken…
Da die Vergiftung über kontaminierte Pfützen besonders gefährlich ist, neigen manche Halter dazu, ihre Hunde vom Trinken aus Pfützen abzurufen. Das macht Sinn – dann müssen die Halter aber immer frisches Wasser mit sich führen, auch bei kleineren Runden.
Warum kennzeichnen die Landwirte die frisch gespritzten Felder nicht? Wäre es nicht möglich, kleine rote Flaggen für etwa zwei Wochen an den Ecken dieser Felder anzubringen?
Ein häufiges Argument der Landwirte lautet: Dann haltet doch eure Hunde aus unseren Feldern raus. Okay, machen wir. Aber was ist mit den angrenzenden Wegen, die nicht nur den Landwirten, sondern allen Bürgern zur Nutzung offen stehen?
Copyright: Sonja Hoegen, dogcom, 2026




