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Anzüge für Hunde

Dezember 2016
 
Hat man früher nur kleine Hunde angezogen gesehen, so sind heutzutage auch große Hunde mit High-End-Kleidung im Winter anzutreffen. Hier die häufigsten Fragen zum Thema:

Hundemäntel – ist das denn nicht nur ein Modetrend?


Hundebekleidung liegt zunehmend im Trend, allerdings nicht aus modischen Gründen. Durch extensive Forschung wissen wir viel mehr über die Tiergesundheit. Kälte wirkt sich negativ auf sehr viele (Vor-)Erkrankungen aus, und kann den Hund krank bzw. noch kränker machen. Unterkühlung (Hypothermie) ist ernstzunehmender Notfall (mehr dazu: http://www.tiermedizinportal.de/erste-hilfe/erste-hilfe-beim-tier-bei-unterkuhlung-und-erfrierungen/352235).

Aber früher brauchten Hunde doch auch keine Mäntel!


Früher lebten Hunde im Zwinger. Sie bauten über den Herbst ein schützendes Winterfell auf, welches sie wie ein dicker Pelzmantel wärmte. Heute leben unsere Hunde mit im Haus, wo sie von 24 Stunden mindestens 20 Stunden bei durchschnittlich 21 Grad Celsius verbringen. Bei mehrheitlich so warmen Temperaturen baut ein Tier kein Winterfell im solchen Sinne auf. Sie erleben zwar einen Fellwechsel, die enorm wärmende Unterwolle wird jedoch nur in sehr geringem Ausmaß gebildet.
Am deutlichsten lässt sich dieser Unterschied bei Hunden nachvollziehen, die beispielsweise im Winter aus dem osteuropäischen Tierschutz zu uns geholt werden. Ihr Fell ist unfassbar dicht und griffig, und schützt den Hund wie ein dicker Wollpullover.

Welche Hunde brauchen einen Anzug?


  • Hunde mit kurzem und dünnem Fell (Magyar Vizla, Dalmatiner, Greyhound, English Pointer, Deutscher Boxer, Bloodhound, Beagle, Bullterrier, Rhodesian Ridgeback, Dobermann, Französische Bulldogge, Whippet, Deutsche Dogge, Weimaraner, Deutsche Dogge, English und American Bulldog, etc.)
  • Hunde ohne Unterwolle bzw. ohne Fellwechsel (alle Pudel, alle Bichons, Kerry Blue Terrier, Soft Coated Wheaten Terrier, Löwchen, Bedlington Terrier, Lhasa Apso, Shih Tzu, Yorkshire Terrier, Coton de Tulear, Lagotto Romagnolo, Portugiesischer und Spanischer Wasserhund, Papillon, etc.)
  • Kleine Hunde (Chihuahua, alle Bichons, Mops, Französische Bulldogge, Zwergspitz, Pekinese, Prager Rattler, Parson & Jack Russell Terrier, West Highland White Terrier, Japan Chin, alle Dackel, Cavalier King Charles Spaniel, Cairn Terrier, Lhasa Apso, Yorkshire Terrier, Boston Terrier, etc.)
  • Dünne Hunde – sie haben keine schützende Fettschicht
  • Alle Windhunde – sie sind ausnahmslos sehr kälteempfindlich
  • Alte Hunde – sie haben kein starkes Immunsystem mehr, sie sind kälteempfindlicher, und sind ggf. bereits belastet
  • Welpen – sie kühlen sehr rasch aus, und haben noch kein voll entwickeltes Immunsystem. Welpen leiden sehr häufig unter Blasenentzündungen
  • Kranke Hunde – ihr Immunsystem ist bereits belastet, jede weitere Schwächung zehrt an der Substanz. Hierzu zählen besonders Hunde mit Organerkrankungen, also Herzproblemen, Nierenschwäche, etc.
  • Schilddrüsenerkrankte Hunde - sie sind besonders kälteempfindlich
  • Hunde mit Problemen am Bewegungsapparat (Spondylose, HD, ED, etc.)
  • Allgemein kälteempfindliche Hunde – gibt es wie bei Menschen auch!
  • Frisch importierte Hunde aus südlichen Ländern
  • Kurz geschorene / geschnittene Hunde

Aber mein Hund zittert gar nicht!


Zittern ist kein Zeichen für Frieren. Zittern ist ein Symptom von Hypothermie (s.o.). Wenn ein Hund also zittert, friert er nicht nur ein bisschen, sondern ist schon zu lange und / oder zu stark der Kälte ausgesetzt. Das Zittern entsteht durch stärkere Kontraktion der Muskeln: der Körper versucht sich wieder aufzuheizen. Zittern ist ein Signal an das Gehirn: Achtung, erstes Stadium der Unterkühlung! Ab ins Warme!

Ab welcher Temperatur sollte der Hund angezogen werden?


Nicht nur Kälte ist das Problem, sondern auch der Wind. (Der Windchill-Effekt wird durch die konvektive Abführung hautnaher und damit relativ warmer Luft und die damit einhergehende Erhöhung der Verdunstungsrate hervorgerufen. Die für den Phasenübergang des Wassers notwendige Energie wird dabei durch Wärmeleitung aus der Körperoberfläche abgezogen und kühlt diese dementsprechend ab.)
Daher die Faustregel: der Hund sollte angezogen werden, sobald die Menschen ihre Winterjacken anziehen, spätestens aber, wenn diese Schal und Handschuhe tragen.
Was macht einen guten Anzug aus?
Leider gibt es erschreckend viele unsinnige Modelle auf dem Markt. Zum Beispiel der Schildkrötenpanzer: oben handbreit wattiert, unten lediglich ein Gurt, der weder Herz noch Schultern schützt. Oder es gibt tatsächlich Jacken mit Kapuze, die schlicht dem Kindchenschema huldigen.
Hunde sind sehr sensibel in Sachen Ausrüstung. Sie fühlen sich schnell unwohl, die Anzüge müssen daher funktional und komfortabel sein.

Ein guter Anzug...
  • passt sich den Körperbewegungen an – der Hund kann sich völlig frei bewegen. Idealerweise sitzt er wie eine zweite Haut.
  • deckt Rücken, Brust, den Halsansatz und möglichst viele Gelenke und möglichst viel Bauch ab.
  • begünstigt keine Feuchtigkeitsentwicklung zwischen Fell und Gewebe.
  • hat einen unterlegten Reissverschluss (lange Haare!).
  • ist leicht.
  • ist geräuschlos / raschelt nicht bei jedem Schritt.
  • ist geruchsarm.
  • ist waschbar.

Moderne Mäntel sind daher gerne aus Softshell – ein Material von hoher Qualität und hohem Preis. Wintersportler tragen Softshell, weil es je nach Verarbeitung elastisch, winddicht, wasserabweisend bis zu einem gewissen Grad, anschmiegsam, leicht und dünn ist – ideale Eigenschaften auch für Hundewinterbekleidung. Das Brustgeschirr kann ohne Probleme einfach drüber gezogen werden.

 
 
 

Welche Marken sind zu empfehlen?


Lediglich zwei Big Player (und hoffentlich zahllose kleine Manufakturen) stellen sinnhafte Kleidung her: Ruffwear und Hurtta. Ruffwear hat die besseren Modell, Hurtta die besseren Größen. Das Nachsehen haben Mops, Französische Bulldogge, Cairn Terrier und Co: sie sind extra kurz und extra breit, und nur Wolters hat einige akzeptable Mäntel für sie im Programm.
Die Suche nach einem guten Anzug kann sich tatsächlich als sehr schwierig erweisen, und es sollte immer darauf geachtet werden, dass sich der Hund in seiner Kleidung wohlfühlt.

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Produktrezension Bloomy Hunde-Schutzkragen

Januar 2016
 
Alternativen zum ungeliebten Trichter gibt es ja viele, aber der Bloomy ist bislang die beste Erfindung, die mir untergekommen ist. Ich habe ihn über 3 Wochen an meinem Rüden Fitzwilliam getestet, nachdem er künstliche Augenlinsen eingesetzt bekam.

Der Bloomy ist weich. Und trotzdem stabil. Es ist, als hätte der Hund sein Kissen immer dabei. Der Kragen ist mit festem Schaumstoff gefüllt, und wird auf Wunsch mit Outdoorstoff bezogen geliefert. So lässt er sich leicht sauber halten. Innen ist der Bezug aus kuscheligem Fleece, der auch den Sabber schön auffängt. Der Bloomy ist mit Liebe und Verstand und von Hand (!) gemacht. Er ist sehr gut vernäht, und insgesamt von hoher Qualität.

Das Aufziehen ist denkbar einfach, ein Klettverschluss macht das Überstülpen deutlich angenehmer als bei den Plastiktrichtern. Den Bloomy gibt es auch mit zusätzlichen Schlaufen, durch die ein Halsband geführt werden kann. So ist es fast unmöglich, den Bloomy abzustreifen.

 

 
Am besten macht sich der Bloomy im Haus. Kein Krachen gegen Türrahmen, keine Macken in Omas Kommode, kein verstörter Hund. Das Schlafen und zur Ruhe kommen - für kranke oder frisch operierte Hunde sehr wichtig - ist angenehm. Der Fitz konnte sich damit überall hinlegen und schlief selig.

Draußen ist der Bloomy nicht so praktisch. Er ist ja nicht durchsichtig, und in einer ungewohnten Umgebung ist ein so stark eingeschränktes Sichtfeld sehr unangenehm. Außerdem könnte der Stoffbezug bei Matschwetter ein Hygieneproblem darstellen.
Für sehr ehrgeizige Hunde, die es wirklich darauf anlegen, ist der Bloomy nicht geeignet, denn mit genügend Raffinesse kann der Stofftrichter umgebogen, oder der Klettverschluss gelöst werden. Darüber hinaus muss auf die richtige Kragenlänge geachtet werden, je nach Wundstelle. Bei einer Ohrenproblematik genügt ein kurzer Kragen, bei einer Kastration braucht der Hund unbedingt das längere Modell.

Mein Fitz hat den Kragen sehr gut angenommen, und frass, schlief und schmuste damit problemlos. Er ließ ihn sich ohne Probleme anziehen, und war im Alltag im Haus kaum eingeschränkt. Er hat die Post-OP-Zeit deutlich erträglicher gemacht.
Der Bloomy ist eine sehr gute Ergänzung zum Tierarzt-Trichter, und sei es auch nur zum Schlafen. Und er ist ein echter Hingucker!


 
Vorteile:

- bequem
- geräuscharm
- keine Druckstellen am Hals
- deutliche Stressreduktion für den Hund

Nachteile:

- nicht durchsichtig
- nicht für Zerstör-Rambos geeignet
- nicht zu 100% sicher

https://www.facebook.com/Hunde-Schutzkragen-1607189916209199/

http://www.tierschutzkragen.de/

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Harmonischer Freilauf - Die unsichtbare Leine

Juli 2015

Wenn wir uns einen perfekten Spaziergang vorstellen, stellen wir uns einen freilaufenden Hund vor. Ein Hund, der nicht ständig abgerufen werden muss, sondern von sich selbst aus bei uns bleibt. Der auf uns achtet, mit uns gemeinsam unterwegs ist.

Der Hund soll immer in einem gewissen Radius bleiben. Je nach Rasse kann dieser Radius größer (beispielsweise Irish Setter) oder kleiner (Toypudel) sein; er hängt auch von Faktoren wie der Umgebung, Ablenkung, Alter, erlerntes Verhalten, Begleitung, etc. ab.

photo-pencil.de

Zwei einfache Techniken helfen dabei, den Hund mehr in der Nähe des Menschen zu behalten:

Blickkontakt bestärken

Hunde halten in einer Hundegruppe über Blicke miteinander Kontakt. Sie „sprechen“ sich bei einer Jagd sogar über Blicke ab. Wenn Mensch und Hund gemeinsam unterwegs sind, blickt der Hund anfangs oft zum Menschen, der dies jedoch nicht erwidert. Folglich stellt der Hund diese Handlung als Energieverschwendung ein.

Da sein Mensch an ihm kein Interesse zeigt, zeigt er an ihm auch kein Interesse mehr – und entfernt sich.

Übungsaufbau:

So viele Blickkontakte wie möglich (niemand sieht alle) werden erwidert und verbal über ein freudiges Lobwort bestärkt. Kommt der Hund von sich aus freiwillig heran, gibt es eine Futterbestärkung. Der Hund wird die positiv bestärkten Verhaltensweisen öfter zeigen, und dann kann auch schon die variable Bestärkung (immer verbal loben, aber nur noch ab und zu füttern) eingeführt werden.

Richtungswechsel

Diese Maßnahme wird besonders bei Hunden eingesetzt, die sich sehr weit vom Hundeführer entfernen, oder selten Blickkontakt aufnehmen. Ziel der Übung ist es, dass der Hund dichter bei seinen Menschen bleibt, und sich oft rückversichert.

Übungsaufbau:

Der Hund ist weit entfernt, da drehen sich die Menschen einfach um, und gehen in die andere Richtung. Es wird nicht gerufen, oder sonst irgendwie um Aufmerksamkeit gebuhlt. Wichtig ist es jedoch, unbedingt in Sichtweite zu bleiben, da der Hund sonst in Panik geraten könnte, die Mensch-Hund-Beziehung in Schieflage gerät, und der Hund evtl. Trennungsangst entwickelt. Hunde, bei denen sich die Menschen öfters im Spaziergang versteckt haben, sind generell eher unsicher und gestresst beim Spaziergang, da sie unter ständiger Erwartungsunsicherheit leiden. Bei Hunden, die am Menschen "kleben", oder bei sehr nervösen Hunden gilt es, wurde eventuell dieses „Spiel“ gespielt.

Wenn der Hund dann kommt, wird er gelobt, und man geht gemeinsam noch ein paar Schritte weiter in die Richtung von eben, bis man auf den eigentlichen Spaziergang zurückkehrt.

Wichtig: Nur in sicherer Umgebung aufbauen! Also ein übersichtliches Gelände wählen, ohne schwierige Ablenkungen, oder Straßen und Wald in der Nähe.

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Produkttest WindowSOX

Juli 2015
 
Für all jene Hundehalter, die ihre Hunde auf der Rückbank transportieren, haben wir die WindowSOX getestet – und sind begeistert!

Die WindowSOX sind schwarze passgenaue „Socken“ aus engmaschigem Gewebe, welche über die hinteren Türen gezogen werden. So sind die Fenster komplett beschattet, und man kann sie weiterhin hoch und runter fahren, um frische Luft einzulassen. Bei den verbreiteten Saugnapf-Platten mit fragwürdigen Hello-Kitty-Motiven kann man die Fenster nur minimal öffnen, bei starker Hitze lösen sich die Saugnäpfe, und fallen gegebenenfalls auf den Hund. Getönte Scheiben können je nach Qualität sehr teuer sein. Die WindowSOX sind eine durchdachte und bezahlbare Alternative, eigentlich entwickelt für Menschenkinder, aber mindestens genauso praktisch für Hundehalter.
Wir haben für euch dieses Produkt unter teils extremen Bedingungen getestet. Starker Regen und Gewitter – das Gewebe bleibt stabil. 180km/h auf der Autobahn – kein nennenswertes Flattern. Hochspringende Hunde – die Socken halten und ziehen keine Fäden.
Obendrein können keine Insekten eindringen, niemand kann ins Auto hineinfassen, und am allerbesten: die Hunde sind auch bei voll geöffneten Fenstern sicher, sie können nicht hinausspringen.
Die Montage ist sehr einfach und in fünf Minuten erledigt.


 


Für den Sommer empfehlen wir euch diese Socken wärmstens. Sie wurden in Australien erfunden (und die kennen sich mit Sonne aus!) und werden hier im Ländle in Abstatt vertrieben: http://www.sunprotec.de/wp/shop/windowsox_sonnenschutz_fuer_kinder_im_auto/

Preis für zwei Socken: 36,50 Euro

Vorteile:
Fenster sind komplett abgedunkelt
Fenster können weiterhin komplett geöffnet werden
Filtern 80% der UV-Strahlen
Strapazierfähig und waschbar
Insekten müssen draußen bleiben
Niemand kann ins Auto greifen, Hunde können nicht herausspringen
Einfache und schnelle Montage

Nachteile:
Funktioniert nicht für Dreitürer
Schulterblick für den Fahrer ist verdunkelt

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Was tun gegen Zecken und Co?

Juni 2015

Absuchen

Bei kurzhaarigen Hunden ist das Absuchen des Fells und der Haut, beispielsweise nach Zecken nach dem Spaziergang, sicherlich eine vernünftige Lösung, denn kein Mittel - ob pflanzlich oder chemisch - aufzutragen, ist am Natürlichsten. Wenn man alle Parasiten findet: prima!
Flöhe entdeckt man am ehesten, wenn man den Hund mit einem sehr feinen Kamm auskämmt: befinden sich kleine schwarze Punkte im Haar, gibt man diese auf ein Küchenkrepp und beträufelt sie mit Wasser. Färbt sich das Küchenkrepp rot, dann handelt sich es um Flohkot (=Blut).
Es gilt: wenn man 1 Floh sieht, sind noch mindestens 100 auf dem Hund unterwegs.

Knoblauch

In kleinen Mengen regelmäßig verabreicht, funktioniert Knoblauch bei vielen Hunden sehr gut. Es wirkt abwehrend gegenüber Zecken, Flöhen, Läusen und Würmern. Am besten frischen Knoblauch mit etwas tollem pürieren (Schmand, Öl, Hackfleisch, Leberwurst,...), und unters Futter mischen. Ganz ungefährlich ist das aber nicht: Das Zwiebelgewächs Knoblauch wirkt blutverdünnend, bei zu häufiger/ hoher Gabe entsteht eine Blutarmut. Es ist wie bei vielen Mitteln: die Dosis macht’s. Darum ist unbedingt auf die richtige Menge zu achten, die natürlich an allgemeinen Gesundheitszustand, Alter und Gewicht angepasst werden muss.
Die toxische Dosis bei Hunden liegt verschiedenen Studien zufolge mit 5g/kg beim frischen Knoblauch, bei Knoblauchextrakt mit 1,25g/kg über einen Zeitraum von 1 Woche täglich.
Ein Zehe Knoblauch wiegt etwa 2g. Um einen Labrador mit 30kg umzubringen, müsste man ihm also über sieben aufeinanderfolgende Tage 75 Zehen pro Tag geben.
Knoblauch empfiehlt sich besonders bei Hunden, die viel ins Wasser gehen, und somit für Produkte zu äußerlichen Anwendung ungeeignet sind. Generell ist eine geringe Knoblauchgabe ganzjährig zu empfehlen, da Knoblauch antibakteriell, entzündungshemmend und durchblutungsfördernd wirkt.

Zum Weiterlesen: http://www.barfers.de/knoblauch.html
http://www.hundenarren.com/…/alternative-mittel-gegen-zeck…/


Kokos

Die in Kokosraspeln und Kokosöl enthaltene Laurinsäure wirkt laut einer universitären Laborstudie ebenfalls gegen Zecken. Sie soll darüber hinaus auch einem Befall von Würmern, Flöhen und Läusen vorbeugen.
Kokos ist generell sehr gesund. Es besteht aus hochwertigen gesättigten Fettsäuren, wirkt entzündungshemmend und antibakteriell. Darüber hinaus ist Kokos gut für den Darm und für Haut und Fell.
Bei Hunden unter 20kg empfiehlt sich die Gabe von 1 Teelöffel Kokosraspel ins Futter 2x/ Woche, bei Hunden über 20kg je 1 Esslöffel, gerne ganzjährig. In der Zeckensaison kann es sinnvoll sein, auf 4x / Woche zu steigern, und zusätzlich äußerlich Kokosöl aufs Fell aufzutragen.

Zum Weiterlesen: http://www.hundenarren.com/…/alternative-mittel-gegen-zeck…/
https://kompetenztierzentrum.wordpress.com/…/kokosol-das-s…/


Duftöle und Kräuter

Vor einigen Jahren gab es kaum Alternativen zu den chemischen Keulen. Heute boomt der Markt mit natürlichen Shampoos, Sprays, Seifen und Co. Nicht bei jedem Hund wirkt allerdings jedes Mittel, es gilt Ausprobieren. Und nicht jeder Hund verträgt jedes Produkt, es kann auch zu Hautreizungen und anderen Problemen kommen.
Seifen, Sprays und Tropfen, die zum Beispiel über Pfefferminze-, Teebaum- und Nelkenöl wirken, bieten zumeist einen natürlichen Schutz ohne das Fell zu schädigen. Allerdings sind Hunde mit ihrer sehr empfindlichen Nase oft angewidert, und rennen davon, sobald sie die Flasche entdecken. Es gilt also abzuwägen, was für den Hund machbar ist. Je nach Präparat muss der Hund vor jedem Spaziergang „parfümiert“ werden, oder nur über eine gewisse Zeit mit fortdauernder Wirkung.

Ketten und Anhänger


Die Wirkung von Bernsteinketten, die in sich genug ätherische Öle tragen und diese auf das Fell abgeben und gleichzeitig über statische Aufladung funktionieren sollen, ist wissenschaftlich unbestätigt. Gleiches gilt für Zeckenanhänger, die über eine aufgeprägte bioenergetische Ladung funktionieren sollen. Manche Besitzer schwören darauf, Ausprobieren schadet nicht.

Chemie

Tierärzte greifen meistens zu Spot-on-Produkten wie Exspot, Frontline, Advantix und Co., da sie sehr wirksam sind. Diese funktionieren repellent als auch abtötend. Der beliebteste Wirkstoff ist Permethrin (wird auch als Schädlingsbekämpfungsmittel in Teppichen und im Holzbauwesen eingesetzt). Nervengift also, das Haarausfall, Allergien, Epilepsie, Sehstörungen und weitere Krankheiten zur Folge haben kann. Auf den Beipackzetteln steht übrigens, dass Kinder den Hund nach dem Auftragen einige Zeit nicht mehr berühren sollen. Katzen, die aus Versehen eine Dosis Hund-Exspot verabreicht bekommen, überleben dies meist nicht, da ihnen ein Enzym zum Abbau fehlt. Menschen, die mit Permethrin behandelt wurden, klagten über Nervosität und starken Juckreiz. In Deutschland und Österreich ist Permethrin nicht mehr als Pflanzenschutzmittel zugelassen. Die US-Umweltbehörde EPA hat Permethrin als möglicherweise krebserregend eingestuft. Besonders gefährlich ist Permethrin für Heranwachsende und Krebskranke, da es die Zellteilung stört.

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Flexi-Leinen

November 2014

Ausziehleinen, zum Beispiel Flexi-Leinen* sind beliebt, weil sie bequem sind. Sauber im Matschewetter. Aber sie sind gefährlich für Hund und Mensch. Hier 10 gute Gründe warum.
 
Ausziehleinen...
 
1.    sind unsicher. Manchmal funktioniert der Stopper nicht. Etwa an einer Straße, wenn ein Auto kommt, und der Hund auf die Straße springt. So geschehen bei einem Kunden: Hund tot.

 
2.    verursachen Verletzungen. Ganz egal ob Schnur oder Band,  schnell durchgezogen entstehen schlimmste Verbrennungen oder Schnitte, ganz ähnlich so wie man einen Tortenboden mit einem Faden teilt. Tierärzte können ein Lied davon singen. 2007 wurden in den USA 16564 Menschenverletzungen durch Hundeleinen in Krankenhäusern behandelt. Diverse Finger wurden schon durch Rollleinen unfreiwillig amputiert.

 

3.    verhindern ein Eingreifen. Muss man den Hund schnell von etwas wegnehmen, zum Beispiel bei einem gefährlichen Hundekontakt oder von Glasscherben, greift man mit der Hand in das Band. Zieht der Hund dann nach vorne, wird man ihn kaum halten können, und es entstehen Verletzungen an der Hand. Man hat überhaupt keine Kontrolle.

 
4.    verhindern ein entspanntes Spazierengehen. Der Hund ist immer auf Zug, und je nachdem ob sich die Leine in einem Busch verheddert, kann das für den Hund unangenehm fesselnd sein. Führt man die Leine locker mit dem Stopper, und lässt dann die Taste los, schnalzt das Band ruckartig zurück. All das spürt der Hund am Körper - schlimmstenfalls am Hals.

 
5.    können Hunde in die Flucht schlagen. Fällt einem der Kasten aus der Hand, saust er dem Hund hinterher; und der wird zumeist panisch davon rennen. Manche Hunde rasen kopflos auf die Straße, in den Wald, verheddern sich, können nicht mehr zurück. Tasso kann ein Lied davon singen.

 
6.    führen zum Leine-ziehen. Der Hund lernt: wenn ich irgendwo hin möchte, muss ich ziehen. Eine Leinenführigkeit an normaler Leine ist damit stark erschwert.

 
7.    verhindern den sozialen Umgang. Man kann den Hund praktisch nicht zu anderen angeleinten Hunden hinlassen, da die Verhedderungsgefahr  und damit das Konfliktrisiko stark erhöht sind. Außerdem ist die Leine immer auf Zug, und sorgt damit für zusätzliche Anspannung beim Hund. Bei Hunden, die früher über Leinenruck trainiert wurden, löst der Zug eine unerwünschte Verknüpfung aus.

 
8.    stressen den Hund. Er weiß nie, wie viel Meter er wann bekommt, und wann der Stopper gedrückt wird.

 
9.    sind nicht versichert. Manche Tierhalter-Haftpflichtversicherungen erkennen Rollleinen nicht als richtige Leinen an (richtigerweise, aufgrund der hohen Schadensgefahr). Sollte der Hund also im Dunkeln an der Flexi geführt werden, und ein Fahrradfahrer fährt in die unsichtbare Leine, kann es sein, dass der Versicherer keine Deckung zusagt wegen Fahrlässigkeit / Eigenverschulden. Und der Hund wäre bei einem solchen Vorfall sicherlich auch verletzt.

 
10.   sind unzuverlässig. Je nach Größe und Stärke des Hundes kann die Schnur reißen, und der Hund ist weg. Oder der Hund beißt die Schnur in Sekunden durch. So schon häufig geschehen.

 
Immer wieder sagen Befürworter der Ausziehleinen, dass man bei richtiger Handhabung diese Gefahren ausschließen könne. Das ist falsch. Viele der Situationen entwickeln sich ohne eigenes Zutun rasant. Und schließlich gefährdet man nicht nur sich selbst, sondern auch andere Hunde und Menschen.
 
Die gute Nachricht wenn man den Hund nicht frei lassen kann, und ihm trotzdem  Spielraum geben möchte: Alternativen zur Ausziehleine gibt es! Zum Beispiel Schleppleinen aus Biothane oder Leder, erhältlich in jeder Länge und Breite. Biothane hat den Vorteil, dass sie bei kluger Farbwahl gut sichtbar ist: Neonfarben sieht man auch im Gras schön. Beide Materialien werden bei Nässe nicht schwer, wie etwa Nylon. Leder liegt sehr angenehm in den Hand.
 
 
Zum Weiterlesen:
 
http://www.airedale-forum.de/viewtopic.php?f=30&t=17319
 
http://ruhr-hundeforum.xobor.de/t115f7-Bitte-keine-Flexi-Roll-Leinen.html

 
http://www.consumerreports.org/cro/news/2009/03/retractable-leashes-pose-problems-for-people-and-their-pets/index.htm
 
http://news.vin.com/VINNews.aspx?articleId=31352

 
http://www.flexi-northamerica.com/m/us/handhabung.php
 
 
* Unter Flexi-Leinen versteht man gemeinhin ausziehbare Leinen, auch von anderen Herstellern. Der Begriff wurde hier zum einfacheren Verständnis benutzt.

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Die Sieger-Hunde

September 2014

Kennt ihr die Vick-Hunde? Ich erzähle euch eine wahre Geschichte, die Gänsehaut und Entsetzen hervorrufen wird, aber ein - bittersüßes - Happyend hat.

Michael Vick ist ein amerikanischer Football-Star. Er konnte auf keiner Straße entlang gehen, ohne um Autogramme gebeten zu werden. Für Nike joggte er durchs Fernsehen, jedes Kind kannte seinen Namen. 2006 war er der höchst bezahlte NFL-Spieler.

Doch er hatte eine dunklere Seite, die per Zufall ans Licht kam. 2007 wurde Vicks Cousin wegen Drogenmissbrauch verhaftet, und darum wurde Vicks Anwesen in Virginia durchsucht. Die Polizei fand braun gestrichene Holzschuppen und darin angekettet 49 Pitbulls, teils verletzt und voller Narben, viele unterernährt. Sie fand eine blutgetränkte Arena.

Michael Vick hatte mit Freunden Hundekämpfe veranstaltet. Die Einsätze waren im Tausender-Bereich. Er war ein eingetragener Züchter und nannte seinen Kennel „Bad Newz“, schlechte Nachrichten.

Jene Hunde, die in den Kämpfen verloren, wurden mit Wasser übergossen und mit Elektroshockern tracktiert, bis sie starben. Sie wurden ertränkt, ihr Kopf wurde von Vick so oft auf den Boden geschlagen, bis sie starben. Sie wurden erschossen, sie wurden an Bäumen aufgehängt, bis sie starben. Das weiß man, weil die Leichen auf dem Gelände ausgegraben wurden.

Michael Vick leugnete jede Beteiligung. Doch die Beweislast war erdrückend, und kurz vor Schluss unterschrieb der Athlet ein Geständnis. Von einigen seiner Sportskollegen wurde er verteidigt, Clinton Portis sagte, Hundekämpfe würden zum ganz normalen Leben gehören. (http://aldf.org/resources/laws-cases/animal-fighting-case-study-michael-vick/). Auch die Verteidigung zielte darauf ab: Vick und Co. seien in einem Milieu aufgewachsen, wo Hundekämpfe ein typischer Sport seien. Doch die Öffentlichkeit war in Aufruhr. Richter Hudson verhängte eine nie dagewesen hohe Strafe für die Vergehen: 23 Monate in Haft, 3 Jahre Bewährung, 5000 US Dollar Geldstrafe. Hudson sagte: „Sie dachten vielleicht, das wäre sportlich, aber es war gefühllos und grausam.“ (http://en.wikipedia.org/wiki/Bad_Newz_Kennels_dog_fighting_investigation)

Normalerweise werden in solchen Fällen alle Hunde beschlagnahmt und – sobald ein Urteil gesprochen ist und die Beweise nicht mehr gebraucht werden - getötet. Bei den Vick-Hunden jedoch entbrannte durch die mediale Aufmerksamkeit eine hitzige Debatte. Zahllose Hundetrainer sprachen sich für eine Einschläferung aus, selbst PETA verkündete, dass die Hunde gefährlich seien, und man sie von ihrem Leid befreien müsse (http://www.peta.org/blog/one-fight-vicks-dogs/). Tickende Zeitbomben wurden sie genannt. Doch Richter Hudson ging auch hier neue Wege: Er berief eine Patronin, die Tierrechtlerin Rebecca Huss. Sie sagte: „Es ist mir eine Ehre, jene zu vertreten, die das Herz dieses Falles sind: die Hunde.“

49 Hunde hatte man beschlagnahmt. Eine Hündin wurde eingeschläfert, weil sie sich von niemandem anfassen ließ, ein weiterer Hund war so krank und verletzt, dass er ebenfalls eingeschläfert wurde. 47 Hunde blieben. Ein Jahr waren sie nun schon in staatlichen Zwingern, und Rebecca Huss ließ jeden einzelnen begutachten. „Ich dachte, wir hätten Glück , wenn wir zumindest vier oder fünf Hunde retten könnten“, sagte Randy Lockwood, einer der beauftragten Hundetrainer. „Wenn wir die Mehrheit hätten einschläfern müssen, hätten wir zumindest sagen können, wir haben es versucht.“ Aber es kam anders. Sie bekamen Namen. Und ein Leben.

Viele der Hunde waren so freundlich, dass sie rasch in Familien vermittelt werden konnten. Manche waren ängstlich, blühten aber in der Gesellschaft von anderen Hunden auf. Da war Leo, der so zugewandt war, dass er schon nach einem Jahr bei seiner neuen Familie ein Zertifikat als Therapiehund bekam, und an Krebs erkrankte Menschen besuchte. Marthina McClay, seine Mama, sagte: „Er, der nie Liebe erfahren hatte, schenkte Liebe.“ Leo starb im Dezember 2011 nach schwerer Krankheit.

Da ist Sweet Pea, die von Stacy Leipold aufgenommen wurde. Sweet Pea versteckte sich immer in ihrer Box oder unter dem Schreibtisch, musste zum Lösen rausgetragen werden. Doch in Begleitung ihrer neuen Geschwister, einer Deutschen Dogge und einem Jack Russell Terrier, entdeckte sie ein gutes Leben.

  

22 Hunde waren zu traumatisiert für ein normales Familienleben. Sie durften nach Dogtown, einem riesigen Gelände der Best Friends Animal Society in Utah (http://www.good4utah.com/story/d/story/michael-vicks-dogs-5-years-later/11522/CACF_ysMe0ShlrdqUQUprg und http://bestfriends.org/The-Sanctuary/Explore-the-Sanctuary/Dogtown/Vicktory-Dogs/). Sie wurden die Vicktory Dogs, die Siegerhunde.

Da war Georgia, der man alle Zähne gezogen hatte, damit sie den Rüden, der sie decken sollte, wenn sie im Deckstand festgeschnallt wurde, nicht wegbeißen konnte. Ihre Ohren waren kupiert, ihre Rute mehrmals gebrochen. Ihre Zunge hing seitlich raus, weil ihr Kiefer gebrochen und schief zusammengewachsen war. Georgia wurde zum Star der Vicktory Dogs, zu ihren Fans zählen Ellen DeGeneres und Larry King. 2012 durfte sie in ein richtiges Zuhause ziehen, Ende 2013 starb sie an Krebs. Sechs Jahre nach der Befreiung.



Keine Rasse hat einen so schlechten Ruf wie Pitbulls. Keine andere Rasse wird so von Menschen misshandelt wie Pitbulls. Und doch haben 47 Pitbulls ihr Gefängnis mit einem Schwanzwedeln verlassen. Was für wunderbare Hunde!

Buchtipps: Melissa McDaniel „Pit Bulls“ und Jim Gorant „The Lost Dogs“

Die Fotos zeigen die ehemaligen Vick-Hunde Leo, Sweet Pea und Teddles

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Welpen aufziehen

August 2014

Von Turid Rugaas, Norwegen

Hunde, die Welpen aufziehen, erziehen ihren Nachwuchs zu perfekten Hunden. Wölfe, die ihre Wolfswelpen aufziehen, erziehen sie zu perfekten Wölfen, die vorbereitet sind auf ein Leben „in der Wildnis“. Wenn Menschen Welpen zu Hunden aufziehen, gibt es Ärger. Warum?

Zuallererst erlauben wir es den Welpen nicht, die natürliche Erziehung zu bekommen, die sie erhalten sollten und würden, wenn sie von anderen Hunden aufgezogen würden. Zweitens erwarten wir, dass der Hund unsere Menschenregeln respektiert, die oft sinnlos für den Hund sind, und wir schaffen es nicht, das Alter des Hundes, seine Entwicklungsphasen und seine Leistungsfähigkeit zu berücksichtigen. Als Ergebnis schafft es der Hund nicht, unsere zu hohen Erwartungen zu erfüllen.

 

Welpen, die von ihrer eigenen Art umgeben aufwachsen, lernen nach und nach die Selbstbeherrschung, die sie als Erwachsene brauchen. Und sie lernen sie so gut! Als Erwachsene haben sie sich all jene Selbstbeherrschung angeeignet, die sie zum Überleben brauchen. Wir müssen lernen, Welpen so ähnlich aufzuziehen, so, wie andere Hunde sie natürlich von der Geburt bis zum Erwachsensein anleiten würden.

Die Welpen-Lizenz:

Als ersten und größten Fehler, den wir als Welpenbesitzer begehen, setzen wir unsere Erwartungen und Forderungen an den Welpen so hoch, dass er sie unter keinen Umständen erfüllen kann. In der Natur, wo Hunde natürlich in einem Rudel aufwachsen, lernen sie schrittweise, sich selbst zu beherrschen. Bis sie um die 16 bis 20 Wochen alt sind, haben sie eine so genannte Welpen-Lizenz*. Sie wedeln mit dieser Lizenz herum und sagen: „Na-na-na, du kriegst mich nicht – weil ich eine Welpen-Lizenz habe!“ Oft beobachten wir, wie Welpen diese Lizenz ausnutzen. Sie tanzen den erwachsenen Hunden auf der Nase herum, und wir können fast den schelmischen Funken in ihren Augen sehen. Die erwachsenen Hunde lassen die Welpen in dieser Zeit mit unglaublicher Geduld gewähren. Zwischen der 16. und 20. Woche läuft die Lizenz ab. Nun müssen die Welpen Schritt für Schritt lernen, sich selbst besser zu beherrschen und zu benehmen. Noch immer werden ihnen viele Fehler verziehen – immerhin sind sie noch nicht erwachsen. Das Erwachsenenalter wird ganz natürlich mit Zeit und Erfahrung erreicht.

Es kann verwirrend erscheinen, dass ein Welpe innerhalb von wenigen Tagen von einem Entwicklungsstadium in das nächste wächst, aber wir müssen daran denken, dass sie vom Welpe bis zum Erwachsenen nur zwei Jahre brauchen. Zum Vergleich: Menschen brauchen 20 Jahre, bis wir sie erwachsen nennen können – viele sogar länger als das.

* Anmerkung der Übersetzerin: Nicht zu verwechseln mit dem „Welpenschutz“, bei welchen angenommen wird, dass ein fremder erwachsener Hund einem Welpen nichts antut.

Übersetzt von Sonja Hoegen

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Der REM-Schlaf - Bitte nicht stören!

Juli 2014

Als Sheila jammerte und zuckte, und sich hin und her warf, weckte ich sie auf. Ich dachte, sie hätte einen Albtraum. Die Golden Retriever-Dame blinzelte mich an, wirkte aber nicht verstört. Mein Fehler, ich war 14 Jahre alt, und hatte keine Ahnung, was ich da gerade unterbrochen hatte.

Wenn Hunde im Schlaf zucken, wimmern, jaulen, dann sind sie im REM-Schlaf. REM steht für Rapid Eye Movement, schnelle Augenbewegungen. Er wird auch paradoxer Schlaf oder desynchronisierter Schlaf genannt. Während des REM-Schlafes steigen Blutdruck und Puls an. Umso aufregender und inhaltsreicher die Tageserlebnisse des Hundes waren, umso länger oder ausgeprägter kann der REM-Schlaf ausfallen. In dieser Schlafphase verabeitet der Hund die Geschehnisse. Idealerweise hat ein Hund jeden Tag diesen Verarbeitungsschlaf. Bei Entzug des REM-Schlafs zeigten viele menschliche Versuchspersonen vermehrtes Hungergefühl, vermehrte sexuelle und aggressive Impulse, Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisprobleme. Ratten starben nach zwei- bis dreiwöchigem vollständigem REM-Schlaf-Entzug. Der REM-Schlaf wird derzeit intensiv erforscht. Führend darin ist die britische Tierärztin Amber Batson. Vermutlich sind Lernprozesse, Stressbewältigung und Informationsverarbeitung eng mit dem REM-Schlaf verbunden.



Hunde haben den REM-Schlaf fast ausschließlich in der ausgestreckten Seitenlage. Nicht nur, aber besonders darum ist es wichtig, Hunden einen genügend geräumigen Schlafplatz anzubieten. Am besten ist es, wenn der Hund zwischen mehreren Liegeflächen wählen kann. Geschlossene Boxen sind auch aus diesem Grund nicht zu empfehlen. Manche Hunde wechseln ihren Platz mehrmals pro Nacht, was mit Temperatur, Komfort und Schlafphase zusammenhängen kann.



Beobachten Sie Ihren Hund in seinem Verarbeitungsschlaf. Es kann ein echtes Schauspiel sein!
Aber vergessen Sie nicht: Schlafende Hunde soll man nicht wecken.

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"Das grauenhafte Erkennen der Dinge, die ich früher getan hatte, nun sah ich sie durch die Augen meiner Hunde, lähmte mich für einige Tage"

Juni 2014

Menschen & Hunde: Interaktionen und Gefühle

von Anne Lill Kvam, Norwegen

Was ist ein Hund? Das ist die erste, schlichte und einfache Frage, die ich oft stelle, und meistens, wo auch immer ich bin, trifft sie auf Schweigen.

Die grundlegende und schlichte Antwort ist: Hunde sind Tiere. Sie sind Rudeltiere, und sie sind Jäger. Sie rennen nicht nur hinter Dingen her, die sich bewegen, sie fressen diese auch. Und sie sind Aasfresser.

Die nächste Frage ist: Was ist ein Mensch? Wir sind Rudeltiere, ganz sicher. Heutzutage leben die meisten Menschen in sehr kleinen Rudeln, aber es sind trotzdem Rudel. Wir waren einmal Jäger und Sammler, und unsere Instinkte aus dieser Zeit sind so gut wie vollständig. Später wurden wir Bauern, und als wir uns Tiere hielten und deren Leben von der Geburt bis zum Tod kontrollierten, änderte sich etwas in uns. Ein norwegischer Tierarzt (B. Børresen) schreibt unsere Fähigkeit, Tiere in Gefangenschaft zu halten, einem "Gefühls-Schalter" zu, der in unserer Beziehung zu Tieren An und Aus "gedrückt" werden kann. Die Käfighaltung im Pelzhandel erfordert beispielsweise eine Abwesenheit von Mitgefühl für das Leiden dieser Tiere, sonst wäre der Job unmöglich.

Und dann begannen wir mit Tieren zu interagieren.

Was ist eine Interaktion mit einem Tier, oder einem anderen Lebewesen? Es ist Kommunikation, Spielen, Sprechen, der Versuch einer Verständigung. Beispielsweise ist das An- und Ableinen definitv eine Form der Interaktion, und es gibt nette und nicht so nette Wege, dies zu tun. Ganz sicher ist Training Interaktion, und es gibt sehr viele nette Wege, Hunde zu trainieren.

Ich hatte einmal einen Affen, und dieses kleine Tier hat mir eine Menge beigebracht. Eines Tages wollte er mit einem jungen, recht überschwänglichen Labrador spielen, war jedoch ein bißchen durch das Gehüpfe und Gebelle eingeschüchtert. Also blieb er auf Distanz, und kam nur ganz langsam näher, und irgendwann verstand der Hund, und legte sich hin. Schließlich kam der Affe ganz nah zu ihm, und am Ende hatten sie eine schöne gemeinsame Zeit mit einem Kleidungsstück. Es war wirklich ein Geschenk zu beobachten, wie dieser Affe mit Hunden, Schweinen und Menschen kommunizieren konnte. Er war der beste Trainer, den ich je hatte.

Gefühle

Darwin beobachtete, dass jeder Mensch auf diesem Planeten, ganz egal aus welchem Land er stammt oder welche Sprache er spricht, die gleichen Gesichtsausdrücke hat, um spezielle Gefühle auszudrücken. Wölfe und Menschen benutzen die gleichen Gesichtsmuskeln um Wut auszudrücken. Genau wie Hunde, aber je nach Rasse ist das nicht immer so gut sichtbar.

Wenn man vom Wort "Emotion" den ersten Buchstaben weglässt, bleibt das englische Wort "Motion" = Bewegung (lat. Motio). Etwas das wir tun, eine Handlung. Die Gefühle werden in einem Teil des Gehirns produziert und verarbeitet, dem Limbischen System, welches bei Hund und Mensch gleich ist. In der Praxis heißt das: Hund und Mensch haben die gleichen Gefühle. Dies versuchen viele Experten als bloße Instinkte weg zu erklären, aber das sind sie ganz und gar nicht. Wenn wir Gefühle wie Sorgen, Eifersucht und Trauer bei Hunden als pure Instinkte abtun, dann können wir sie behandeln, wie es uns passt. In dem Moment, in dem ich verstand, dass mein Hund genau die gleichen Gefühle wie ich hat, veränderte sich mein Denken über mein Tun, was ich getan hatte, und was ich in Zukunft tun könnte. Das grauenhafte Erkennen der Dinge, die ich früher getan hatte, nun sah ich sie durch die Augen meiner Hunde, lähmte mich für einige Tage.

Eine besonders interessante Erkenntnis lautet, dass das Limbische System mit jenem Teil des Gehirns verknüpft ist, das sich um Logik kümmert, um technische Fähigkeiten und weise Entscheidungen - die Großhirnrinde (cerebral cortex). Diese Verbindung ist seitenverkehrt: wenn starke Gefühle entfacht werden, ist die Fähigkeit, logisch zu denken gehemmt, und anders herum. Wir sollten uns dessen bewusst sein, wenn wir uns mit Menschen und Hunden beschäftigen. Wir können kein verängstigtes Tier unterrichten. Es wird vielleicht etwas lernen, aber nicht, was wir uns wünschen - es könnte eine Verknüpfung des negativen Gefühls mit dem Training sein.

Die Sinne

Die Sinne sind unsere Möglichkeit, Informationen zu empfangen, und danach zu handeln (oder nicht). Manche der Sinne sind älter und primitiver als andere. Einem norwegischen Tierarzt zufolge ist das Gehirn einfach eine Erweiterung des olfaktorischen Sinnes (des Geruchssinns). Die frühesten Tiere mussten zwischen sicherer und gefährlicher Nahrung unterscheiden können, bevor sie in den Körper kam und Schaden verursachte. Um zu schnüffeln, zu riechen, und sich der verschiedenen Nahrungsmittel erinnern zu können, musste das Gehirn entsprechend wachsen. Darum ist der olfaktorische Sinn direkt mit diesem alten, primitiven, emotionalen Teil des Gehirns verbunden. Viele Menschen erinnern sich an Gerüche aus der Vergangenheit, die ein warmes, angenehmes Gefühl auslösen, wie Brötchen, die im Ofen backen. Oder vielleicht erinnert Sie eine Melodie an Ihre erste Liebe. Sobald Sie die Brötchen riechen oder die Melodie hören, sind Sie in Ihren Gedanken dort.

Beim Sehen jedoch sind die Dinge anders. Die Sicht ist viel jünger, und ist mehr mit Rationalität und Vernunft verbunden, als mit Gefühlen. Sie können beispielsweise eine Straße weit weg von Zuhause entlang laufen, und plötzlich sind Sie ganz sicher, einen Nachbarn gesehen zu haben. Allerdings wissen Sie, dass er tausende Meilen entfernt daheim ist. Oder Sie sehen etwas braunes langes im Gras, und springen beim ersten Blick zurück, denn es sieht aus wie eine Schlange. Dann merkt Ihr Verstand, dass es in Wahrheit ein Stock ist. Diese Zeitverzögerung, in welcher die Augen einem einen Streich spielen, gibt es bei Gerüchen nicht. Das ist so, weil die Botschaft von den Augen nicht weniger als fünf Synapsen im Nervensystem passieren muss, und jede Synapse ist eine mögliche Fehlerquelle.

Die innersten Gefühle

Wissenschaftler sind sich weitgehend einig über die Liste von innersten oder primitivsten Gefühlen, die wir uns hier kurz anschauen wollen.

Wut ist sicherlich eines der am meisten ursprünglichen Gefühle. Raserei, Entrüstung, Zorn, Empörung, und am extremen Ende Hass und Gewalt, alle kommen von der Wut.

Traurigkeit und seine andere Formen beinhalten Trauer, Kummer, Melancholie, Einsamkeit, und am äußersten Ende Depression. Tiere können depressiv sein. Ich traf einmal den Besitzer einer Katze, die Moody Cat hieß, launische Katze, und es ist wahr: manche Tiere sind tatsächlich launischer als andere. Einer der traurigsten kleinen Hunde, die ich je sah, war mein Welpe an dem Tag als ich ihn bekam. Er hatte gerade seine Familie und das einzige Zuhause, das er kannte, verlassen. Aber alles entwickelte sich am Ende großartig.

Angst ist ein grundlegendes Gefühl, darauf können sich alle einigen. Wieder gibt es verschiedene Ausmaße von Angst: Beklemmung, Nervosität, Besorgnis, Furcht, Schrecken, Terror, und am extremen Ende Panik und Phobie.

Freude und Glück, Erleichterung, Vergnügen, sogar die Sinnesfreuden sind ein zentraler Teil des Lebens, auch bei Hunden. Wenn wir etwas Gutes essen, oder ein lustiges Spiel spielen, gibt uns das ein gutes Gefühl. Es ist das gleiche bei Hunden. Und Hunde freuen sich, wenn wir lachen.

  
 

Liebe ist gemeinhin anerkannt ein weiteres grundlegendes Gefühl. Liebe tritt auch zwischen Tieren auf, und ist nicht bloß ein instinktives Verhalten. Akzeptanz, Freundlichkeit, Vertrauen, Zuneigung, Hingabe und Bewunderung sind alles Synonyme für die Liebe. Wir könnten die Liebe bis ins Unendliche diskutieren; da gibt es so viel zu beschreiben. Auch Elefanten verlieben sich und das ist ganz offensichtlich. Sogar bei Tieren, denen wir uns nicht nahe fühlen, verstehen wir einige Gefühle, da sie diese so deutlich ausdrücken.

Überraschung ist ein weiteres Gefühl, das ich oft bei Hunden beobachte. Die Synonyme beinhalten Verwunderung, Staunen, Verblüffung, und am schlechten Ende Schockieren.

Scham hat ebenfalls viele Namen: Schuld, Verlegenheit, Erniedrigung und Bedauern. In einem mir bekannten Fall erlaubte ein kleiner Hund, der sonst seine Besitztümer ziemlich heftig verteidigte, einer älteren Retriever-Hündin, ihm den Knochen wegzunehmen. Man konnte buchstäblich die Enttäuschung und Beschämung auf seinem Gesicht sehen, aber er attackierte sie nicht. Dann stellte sich heraus, dass die Hündin schwer krank war, und ein paar Wochen später starb; der kleinere Hund schien das verstanden zu haben.

Neugier. Ohne Neugierde könnten Tiere nicht überleben. In ihrem Buch „Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier" nennt Temple Grandin dieses Gefühl das Bedürfnis zu Suchen. Suchen ist wichtiges Gefühl für Tiere - alle Tiere, nicht nur die Jäger, sondern auch die Beutetiere. Etwas zu Suchen ist viel stimulierender als es zu Finden, nicht nur für Wölfe und Hunde, sondern auch für Pferde. Zahlreiche Menschen denken: „Oh, so ein armer Hund! Er sollte wenigstens sein Futter ohne Gegenleistung bekommen", und dann geben sie ihm sein Futter in einer Schüssel. Aber das ist falsch, denn wir wissen, wie das Gehirn funktioniert, und der Hund ist viel glücklicher, wenn man das Futter versteckt, so dass er ein bisschen dafür arbeiten muss. Das wird ihn glücklicher machen.

Emotionen können erlernt werden.


Hunde lernen über Verknüpfungen. Wenn ein Hund eine Person anschaut, und ein schlimmes Geräusch den Hund verängstigt, riskiert man, dass der Hund sich aufgrund des Geräusches vor der Person fürchtet, obgleich die Person immer sehr nett zu dem Hund ist. Ein gutes Beispiel für das Lernverhalten ist bei Welpen der Geruch der Mutterzitzen, welche sie als warm und sicher in Erinnerung behalten. Das ist der Grund, warum das Pheromon-Präparat DAP hilfreich sein kann in Stresssituationen wie bei Feuerwerk oder Gewitter.

Diese sind also einige der wichtigsten Gefühle, die wir mit anderen Tieren teilen. Versuchen Sie, sich in Ihrer Beziehung zu Ihrem Hund immer daran zu erinnern, dass er die genau die gleichen Gefühl empfinden kann wie Sie. Es ist erstaunlich, wie viel wertvoller und fruchtbarer Ihre Beziehung sein wird - auch Ihr Hund wird das lieben.

Übersetzt von Sonja Hoegen

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Erteilung einer Erlaubnis nach § 11 TierSchG

Mai 2014

Es herrscht Verunsicherung und Unruhe unter Hundetrainern in ganz Deutschland. Anlass ist das neue Tierschutzgesetz, dass im Juli 2013 verkündet wurde, und welches am 1. August 2014 in Kraft tritt. Ab dann sind alle (Wirbel-)Tierschulen, Tierpensionen, Tierheime und viele mehr erlaubnispflichtig. Eine gute Übersicht
der betroffenen Tätigkeiten gibt es hier: http://www.landkreisludwigsburg.
de/deutsch/buerger-info/gesundheitverbraucherschutz/
veterinaerangelegenheiten/tierschutz/11-
erlaubnis-tierschutzgesetz/

Bislang konnte jeder, der gut geschlafen hat, morgens aufstehen, ins Rathaus gehen, und eine (mobile) Hundeschule anmelden. Es gibt kein staatliches Berufsbild „Hundeausbilder“. Dieser wunde Punkt sollte mit dem neuen Gesetz „geheilt“
werden. Glücklich ist aber niemand: nicht die Hundetrainer und schon gar nicht die zuständigen Behörden, auf die in viel zu kurzer Zeit zu viel Arbeit mit undefinierten Vorgaben zukommt.

Um etwaige Konsequenzen für die eigene Tätigkeit abzusehen, muss man verstehen, wie es zu diesem neuen Gesetz kam. Entgegen vieler Diskussionen – wenn Google nach „tierschutzgesetz 11 erlaubnis“ sucht, gibt es 32000 Ergebnisse – stammt das neue Gesetz nicht aus Brüssel. Der EU-Vertrag umfasst den Bereich Heimtiere nicht. Heimtiere sind eine rein nationale Angelegenheit. Der Antrag dazu kam aus Thüringen, fand auf politischer Ebene eine Mehrheit, obgleich die nicht
abstimmungsberechtigten Fachreferenten nicht begeistert waren.

Und da liegt das Problem: Das Gesetz wurde „von oben herab“ erlassen, ohne klare
Grenzen. Nun müssen die Länder eine gleichwertige Regelung finden. Dazu wurde
die „Arbeitsgruppe Tierschutz“ gegründet, die am 10. Mai 2014 tagte, und deren
Ergebnisse in der kommenden Woche veröffentlicht werden sollen. Unter anderem
sind in dem Papier die Inhalte des Fachgesprächs definiert, welchem sich wohl die
meisten Hundetrainer stellen müssen. Dieses Papier soll öffentlich zugänglich
gemacht, aber wo genau ist noch nicht beschlossen.

Die Gesetzesänderung (http://dejure.org/gesetze/TierSchG/11.html) hat eine
einheitliche Rechtsgrundlage geschaffen. Dr. med. vet. Thomas Pyczak vom
Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, Ref.
34 – Tierschutz in Stuttgart ist Leiter der Projektgruppe
Gleichwertigkeitsanerkennung. Und er steht vor einem Problem: Da gibt es
Schleswig-Holstein mit seinem D.O.Q-Test (http://www.tieraerztekammer-schleswigholstein.de/infos-fuer-tierhalter/hundetrainer-zertifizierung-doq-test-pro.html); Niedersachsen, das schon eine Regelung hat; Bayern, das nun in Seminaren die Mitarbeiter im Veterinärsamt schult. Es wird keine bundeseinheitliche Regelung geben, aber Pyczak ist dafür verantwortlich, dass die Regelungen gleichwertig sind.

Ergo: Jeder Hundetrainer muss sich mit seinem Veterinär im Landratsamt in
Verbindung setzen. Pyczak: „Jeder, der sich gewerbsmäßig im Umfeld der Hundeausbildung bewegt, sollte bis zum 31. Juli 2014 einen Antrag auf Erlaubnis nach § 11 TierSchG stellen.“ Denn niemand darf eine ab dem 1. August 2014 erlaubnispflichtige Tätigkeit ausüben ohne Erlaubnis! Verschläft ein Betroffener die Änderung, begeht er eine Ordnungswidrigkeit. Er bekommt ein Bußgeld und eine Untersagungsverfügung. Das heißt: er darf nicht weiter Hunde für Dritte (=Kunden) ausbilden.

Was kommt auf die Hundetrainer zu? Voraussichtlich erhalten alle, die rechtzeitig
einen Antrag gestellt haben, eine vorläufige/ befristete Erlaubnis. Für alles andere ist der zeitliche Rahmen für die Behörden schlicht zu knapp, da ja noch gar nicht
definiert ist, nach welchen Kriterien genau die Erlaubnis erteilt werden soll,
zumindest nicht für die einzelnen Bundesländer und deren Unteren
Verwaltungsbehörden (=Landratsämtern).

In den meisten Anträgen wird nach folgendem gefragt: Zuverlässigkeit
(=polizeiliches Führungszeugnis), räumliche Einrichtungen (wo findet was statt),
kyno-pädagogischer Lebenslauf (Ausbildungen und Fortbildungen, bisherige kyno-spezifische Tätigkeiten). Für Hundetrainer in Ausbildung könnte es also durchaus Sinn machen, schon jetzt ein Gewerbe anzumelden, um eine befristete Erlaubnis beantragen zu dürfen.

Nach dem Stichtag wird sich alles ändern. Verschiedene Abläufe sind im Gespräch:
Multiple-Choice Tests, Fachgespräche mit den extra geschulten Veterinären in der
Behörde, spezielle Seminare mit anschließender Prüfung. Pyczak: „Das ganze System ist äußerst wackelig. Es gibt ja auch keine Verfügungen, wie verfahren werden soll, wenn eine Person im Fachgespräch nicht den Ansprüchen genügt.“
Es gibt rege Diskussionen, ob verschiedene Ausbildungen anerkannt werden sollen
und damit automatisch die Erlaubnis mitbringen. Den Behörden würde das eine
Menge Zeit und Arbeit sparen, denn aus den Gesprächen mit den zuständigen
Veterinären aus zahlreichen Landratsämtern bundesweit wurde schnell ersichtlich,
dass sie beim besten Willen nicht wissen, wie sie die Gesetzesänderung inhaltlich und personell umsetzen sollen. Für die zahllosen Betriebe mit Hundetrainerausbildung wäre dies ein machtvoller Werbefaktor, und manche locken damit schon ahnungslose Interessenten an. Das ist schlicht falsch, denn: Nur Verbände können anerkannt werden, und nicht gewerbliche Ausbildungszentren. Ein Verband kann also eine solche Anerkennung im jeweiligen Bundesland beantragen, der dann weitergeleitet wird an Dr. Pyczak, der prüfen wird, ob die Ausbildung des Verbandes den Ansprüchen genügt.

Beispiel: Maria Müller hat in Hessen bei einem Verband eine solch anerkannte
Ausbildung absolviert. Ihre Hundeschule ist in Meck-Pom. Auch dort wird
voraussichtlich diese Ausbildung automatisch anerkannt, und ersetzt damit das Fachgespräch / den Sachkundetest. Den Antrag mit den restlichen Auskünften muss Maria Müller aber trotzdem stellen.

Was ist mit den zahlreichen Absolventen der Schweizer ATN? Pyczak: „Für
ausländische Anstalten ist dies nicht vorgesehen.“

Pyczak rechnet mit einem großen Ansturm der Verbände, vor allem weil sich nun
sicherlich einige Ausbildungszentren zusammenschließen werden, um ihren
Absolventen diesen Vorteil zu sichern. Allerdings bräuchten diese
Ausbildungsbetriebe eine standardisierte Prüfung, die dem Ministerium vorgelegt
werden kann.

Das stark in Mode gekommene ISO 9001 Siegel vom TÜV Süd oder der Dekra hat
keinen Einfluss auf die Erteilung einer Erlaubnis. Bei dem Siegel geht es nur um
Qualitätsmanagement, mit Tierschutz hat es überhaupt nichts zu tun. Pyczak: „Dafür haben Dekra und TÜV Süd keine Fachkompetenz.“

Für alle größeren Betriebe: Nur der Betreiber einer Hundeschule oder einem
ähnlichen Gewerbe braucht eine Erlaubnis, nicht jedoch die angestellten Mitarbeiter. Handelt es sich jedoch um freiberufliche Mitarbeiter, benötigen auch diese eine Erlaubnis.

Kosten für die Antragsteller: Noch sind keine bekannt, sie werden sich nach dem
Aufwand richten. Pyczak: „Wir rechnen mit Kosten zwischen 200 und 1000 Euro.“

Vieles ist noch unklar: Was ist mit den Vereinen, die Kurse gegen Entgeld anbieten?
Was ist mit den Ausbildern von Jagdhunden, Behindertenbegleithunden, Filmhunden? Was ist Therapie, was ist Ausbildung – Stichwort Therapiefreiheit. All dies wurde im Gesetzestext nicht definiert. Es bleibt spannend!

Dieser Artikel wurde nach bestem Gewissen von Sonja Hoegen verfasst. Die Fakten wurden sorgfältig recherchiert, in Gesprächen mit den zuständigen Fachleuten und im Internet. Gleichwohl können Fehler und Änderungen auftreten, daher wird eine Haftung ausgeschlossen.

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Stubenreinheit

März 2014

Grundsätzlich wird jeder Hund mit einem Bedürfnis nach Sauberkeit in seiner regulären Umgebung geboren. Verunreinigungen verursachen Erkrankungen; der „sauberste" Hund setzte sich evolutionär durch.
 
Dieses Bedürfnis zeigt nach und nach Wirkung, was sehr einfach am Welpen zu beobachten ist: Anfangs lösen sich die Welpen noch, wo sie gehen und stehen, mit etwa vier Wochen suchen sie sich manchmal schon einen Platz, und halten dann zunehmend ihre Schlafregion sauber. Um Erkrankungen zu vermeiden, fressen zahlreiche Mutterhündinnen den Kot ihrer Welpen.
 
Kommt der Welpe von einem guten Züchter, ist er mitunter mit zwölf Wochen komplett stubenrein, da er dort die Möglichkeit hatte, sein Bedürfnis nach Sauberkeit auszuleben und zu entwickeln.
Ideale Aufzuchtbedingungen: die Welpen haben viel Platz, und können wann immer sie wollen raus in den Garten. Sie bekommen regelmäßig Nahrung, und können einen Biorhythmus entwickeln.
 
In einer schlechteren Umgebung haben die Welpen einen - sehr - begrenzten Platz. Sie lernen ihr Bedürfnis nach Sauberkeit zu unterdrücken. Hunde aus Welpenfarmen schlafen in ihrem eigenen Kot und dem von anderen Hunden (die Käfige sind aufeinander gestapelt). Mitunter ist es wirklich knifflig, solche Hunde stubenrein zu erziehen.
 
Hat der Züchter die „brillante" Idee, Handtücher, Zeitungen, etc. auf den Boden als Hundetoilette zu etablieren, empfiehlt es sich, im neuen Zuhause alle Teppiche, Vorleger, etc. wegzuräumen. Manche Hunde von so einem Züchter urinieren noch nach Jahren auf eine Zeitung, die zufällig auf dem Boden liegt.
 

 
So wird der Welpe schnell stubenrein:
 
Umgebung begrenzen:     Dem Welpen nicht die Gelegenheit geben, einen Raum als Toilette zu etablieren. Hunde möchten ihre Umgebung sauber halten, vor allem da, wo sie sich oft aufhalten.
 
Nie unbeobachtet:           Kleinste Anzeichen, sich einen Platz zu suchen, sollten sofort bestärkt werden. Der Welpen läuft im Kreis, und schnüffelt am Boden? Hochheben, raustragen.
 
Loben NACH dem Geschäft:    Manche Hunde fühlen sich gestört, wenn ihnen dabei zugejubelt wird.
 
Schlafplatz im Bett:         Mit Körperkontakt schlafen die Welpen am ehesten durch, und der Mensch merkt, wann der Welpe doch wach wird und raus möchte.
 
Rituale etablieren:           Möglichst gleichmäßige Tagesabläufe, damit sich der Biorhythmus entwickeln kann.
 
Lösung anbieten:             Mit dem Welpen alle zwei Stunden in den Garten (kein Gassi!). Blase, Darm und Muskulatur sind noch wenig entwickelt, und können keinen längeren Zeitraum bewältigen. Auch das Gehirn ist mit der Information überfordert. Wenn der Welpe muss, dann muss er. Sofort.
 
Nicht schimpfen, wenn ein Missgeschick passiert ist, und man es später sieht. Abgesehen davon, dass der Welpe Angst haben wird, wenn er bestraft wird, kann er keine Verknüpfung herstellen. Er lernt, dass seine neue Familie aus unberechenbaren Psychopathen besteht.
Wird der Welpe in flagranti erwischt, genügt ein deutliches „Nein". Dann ruhig hochheben, raustragen. Und danach ist alles wieder gut!
 
Bei einem erwachsenen Hund, der beispielsweise als Straßenhund aus dem Tierschutz kommt, gelten dieselben Regeln.
 
Bei Hunden von Welpenfarmen, die auf alle Tricks nicht ansprechen, empfiehlt sich eine Hausleine (für die Dauer des Trainings) oder ein Katzenklo.
 
Welpen sollten bei normaler Aufzucht mit etwa 20 Wochen stubenrein sein. Wird ein Hund partout nicht stubenrein, ist eine genaue Untersuchung von Stresspegel und Gesundheit angezeigt.
 
Lösewort: Manche Besitzer finden es toll, den Hund auf Kommando urinieren und koten zu lassen, weil es so praktisch ist. Das ist es. Und es ist ein Zeichen für die totale Kontrolle, die der Mensch über den Hund haben möchte. Eine gute Beziehung zeichnet sich nicht durch Kontrolle, sondern durch Verständnis aus. Ein Hund muss, wenn er muss. Fertig.


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Hunde auf Messen

November 2013
 
Morgen startet die ANIMAL, die Haustiermesse in Stuttgart. Und wie jedes Jahr werden zahllose Hunde mitgeschleppt, im guten Glauben ihrer Besitzer, dass dies eine Veranstaltung für Hunde sei. Nun, das ist es nicht. Es ist eine Veranstaltung für Hundehalter. Hunde hassen Menschenmassen.



Im vergangenen Jahr besuchten knapp 35000 Personen an zwei Tagen die ANIMAL, davon 70% Hundehalter, mit einer Verweildauer von durchschnittlich vier Stunden (Quelle: http://www.messe-stuttgart.de/animal/aussteller/rueckblick-2012/). Sie drängten sich durch die überfüllten Gänge, vorbei an Ständen wo Cavalier King Charles Spaniel wie Gemüse feil geboten wurden, und preisgekrönte persische Katzen in Käfigen ausharrten. Mitten drin: Hunde, überall.

Der Lärm in den hohen Hallen ist selbst für Menschenohren anstrengend. Wie schlimm muss es für empfindliche Hundeohren sein, die 20 bis 40 Mal besser hören? Wie überwältigend sind wohl all die Gerüche? Die Hallensäulen sind mit Plastikfolie umwickelt, weil viele Hunde sie anpinkeln. Das ist weder Markieren noch ein Zeichen schlechter Erziehung. Die Hunde sind einfach reizüberflutet, gestresst, was sich unter anderem in einem vermehrten Harndrang äußert.

Besonders bemitleidenswert sind die kleinen Hunde, wie Malteser und Dackel. Von neugierigem Erkunden oder einem schönen Ausflug kann keine Rede sein: Zu sehr sind die Zwerge damit beschäftigt, den Menschen auszuweichen, die sie natürlich nicht rechtzeitig sehen und mehr als einmal treten.

Hunde haben ein größeres Distanzbedürfnis als Menschen. Die Möglichkeit auszuweichen, ist auf einer Messe dieser Größe jedoch nicht gegeben. So ergeben sich die meisten ihrer Situation, und halten still aus. Die Besitzer schwärmen dann davon, wie gut sich ihr Hund benommen hat, und halten den Messebesuch für eine gute Übung. Wie falsch diese Annahme ist, zeigt sich in den Tagen danach, wenn der massiv erhöhte Stresspegel zu Buche schlägt.

Für interessierte Tierfreunde, die ohne vierbeinige Begleitung erscheinen, ist die ANIMAL spannend. Neue Ausrüstung, günstige Preise, außergewöhnliches Zubehör - ein Besuch lohnt sich. Wenn man es schafft, all die Hunde zu übersehen, die nicht so viel Spaß haben.
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Erlernte Hilflosigkeit‬

September 2013

Manche Hunde fühlen sich in einer bestimmten Situation deutlich unwohl. Sie könnten gehen, sie könnten flüchten, aber sie tun es nicht. Sie lösen den Konflikt auch auf andere Weise nicht, obwohl sie – von außen betrachtet – dazu die Möglichkeit hätten. Sie ergeben sich ihrem Schicksal.

Dieses Phänomen wird als Erlernte Hilflosigkeit bezeichnet. Es tritt bei Menschen und Tieren auf, und wurde 1967 vom amerikanischen Psychologen Martin E. P. Seligman und untersucht. Er  führte hauptsächlich Versuche mit Hunden durch, die wie folgt abliefen:

Phase 1: Während dieser Phase wurde

a) eine Gruppe von Hunden kurzen elektrischen Schocks ausgesetzt, welche sie durch eine bestimmte Reaktion, etwa die Betätigung eines kleinen Hebels oder das Drehen eines Rades, verhindern konnten.  Mit der Zeit lernten die Hunde, sofort nach Einsatz des Schocks die terminierende Reaktion zu zeigen – sie demonstrierten also Fluchtverhalten.

b) eine zweite Gruppe von Hunden befand sich in einer noch weniger glücklichen Lage: Sie wurden ebenfalls den Schocks ausgesetzt. Jedoch konnte diese Gruppe nichts gegen die aversiven Reize unternehmen – ihr Verhalten hatte keinerlei Einfluss auf die Schocks.

c) eine dritte Gruppe von Hunden wurde als Kontrollgruppe eingesetzt. Während der ersten Phase befand sie sich in einem ähnlichen Apparat wie die beiden anderen Gruppen, erfuhr jedoch keinerlei Schocks.

Phase 2: Während dieser Phase wurden alle drei Gruppen in eine Wechsel-Box gesetzt. Eine Wechsel-Box besteht aus zwei identischen Boxen, die über einen Durchgang miteinander verbunden sind. Das Versuchstier wurde in eine der beiden Boxen gesetzt und einem Schock ausgesetzt. Es konnte diesem Schock nun einfach entgehen, indem es in die andere Box wechselte.

Ergebnis: Die erste Gruppe, welche in Phase 1 den Schock durch Flüchten beenden konnte, lernte sehr schnell, dem Schock durch das Wechseln der Box zu entgehen.

Auch die Kontrollgruppe, welche die erste Phase ohne Schocks erfuhr, flüchtete in die andere Box, und unterschied sich nur in der langsameren Lerngeschwindigkeit von der ersten Gruppe.

Die zweite Gruppe jedoch, welche in Phase 1 Schocks unabhängig von ihrem Verhalten erfahren hatte, zeigte kein Flucht- oder Vermeidungsverhalten. Die Hunde blieben apathisch in einer Box liegen und ließen die Schocks über sich ergehen.



Erlernte Hilflosigkeit zeigt sich in kleineren oder größeren Ausmaßen bei

  • Zwingerhunden
  • Kettenhunden
  • Tierheimhunden
  • Puppy mill-Hündinnen
  • „Traditionell erzogenen“ Hunden
  • Laborhunden
  • „Armpüppchen“-Hunden
Hunde-Waschmaschine: keine Fluchtmöglichkeit, keine Sozialpartner.
Hunde-Waschmaschine: keine Fluchtmöglichkeit, keine Sozialpartner, die zur Rettung kommen könnten.

Hunde mit solcher Vergangenheit bedürfen je nach Erlebnisschwere besonderer Aufmerksamkeit. Sie zeigen unter anderem schneller oder öfter als andere Hunde folgendes Verhalten:

  • Schalten ab
  • Sind unaufmerksam
  • Sind nicht ansprechbar
  • Überlassen sich stark ihren genetisch fixierten Verhaltensweisen
  • Zeigen keine Eigeninitiative
  • Haben geringe Frustrationstoleranz
  • Können kaum kreative Handlungen zeigen
  • Bieten wenig Verhaltensweisen an
  • Sind unselbstständig
  • Können schlecht Konflikte lösen
  • Haben geringe Stress-Toleranz
  • Kippen in „aggressives“ Verhalten
  • Sind teilnahmslos, depressiv
Das heißt nicht, dass jeder Tierheimhund obige Merkmale zeigen muss. Auch „bestens aufgewachsene Zuchthunde“ können durch schlechte Erziehungsmaßnahmen unter Erlernter Hilflosigkeit leiden.

 
Wege aus der Erlernten Hilflosigkeit


Hunde brauchen Wahlmöglicheiten. Sie brauchen das Gefühl, zumindest etwas Kontrolle über ihr Leben zu haben. Nur wenig ist schlimmer als das Gefühl der totalen Ohnmacht.

Tipp 1: Den Hund zuerst kleine, und später immer größere Entscheidungen treffen lassen. Wie sieht das im Alltag aus? Beispielsweise einmal pro Woche einen Spaziergang machen, der ausschließlich vom Hund bestimmt wird. Es geht dahin, wo der Hund hin möchte. Ab der Haustüre. Der Hund entscheidet auch, wie lange der Spaziergang dauert. Die Ergebnisse sind überraschend!

Kontakt mit anderen Hunden ist sehr hilfreich. Im Sozialverhalten entstehen immer wieder Konflikte. Konflikte sind normal in einer Gruppe von Individuen. Kann der Hund diese – kleineren oder größeren – Konflikte friedlich und damit erfolgreich lösen, geht er aus dieser Begegnung gestärkt heraus.

Tipp 2: Zeit mit anderen – freundlichen! – Hunden verbringen. Nicht nur eine kleine Begegnung von 30 Sekunden, sondern mehrere Minuten; für Hunde, die damit umgehen können: 15 Minuten oder länger. Nicht eingreifen bei kleinen lösbaren Diskussionen, sondern dem Hund die Möglichkeit geben, sein Sozialverhalten zu entwickeln. Achtung: Hier kommt es wirklich auf die Auswahl der anderen Hunde an! Von Natur aus sind Hunde Meister darin, Probleme und Situationen zu erkennen. Ein Hund, der unter Erlernter Hilflosigkeit leidet, kann am Vorbild anderer Hunde wieder zurück zu einem natürlichen Verhalten finden. Und erwachsene, gut erzogene Hunde respektieren die Bedürfnisse anderer. Sie werden dem hilflosen Hund jene Distanz und Nähe geben, die er sich wünscht.

Menschen werfen mit Kommandos um sich. Sie glauben, dass ein gehorsamer Hund ein kontrollierbarer Hund ist. Hilflose Hunde sind manchmal sehr gehorsam in Sachen Komm, Platz, Bleib. Sie haben gelernt, sich zu fügen. Ihnen wird immer gesagt, was sie tun sollen. Im Alltag haben sie jedoch Probleme. Der gesunde Hundeverstand wurde ihnen abtrainiert. Ohne einen Menschen sind sie schnell überfordert und verunsichert.

Tipp 3: So viel als möglich auf Kommandos verzichten. Eine gute Übung ist es, sich selbst zu kontrollieren, und zu zählen, wie oft man welches Kommando gibt – einen ganzen Tag lang.

Hilflose Hunde sind gestresste Hunde. Der Stressor der Erlernten Hilflosigkeit kann nicht sofort herausgenommen werden. Bei anderen Stressoren ist dies einfach möglich: Stressor Ballspielen = nie mehr Ballspielen. Stressor falsche Ernährung = Ernährung umstellen. Darum ist es wichtig, bei hilflosen Hunden den Stresspegel gemeinhin gering zu halten.

Tipp 4: Was stresst den Hund? Dies herauszufinden, ist der richtige Weg. Immer. Dann gilt es, die Stressoren nach und nach auszuschalten, so dass der Hund ein entspanntes Leben führen kann. Gestresste Hunde lernen schlecht. Wird der Stresspegel gesenkt, gewinnt der Hund allgemein an Lebensqualität, und kann neue Verhaltensweisen lernen.

Jeder Hund braucht Erfolg. Man stelle sich vor, man würde jeden Tag zur Arbeit gehen, könne es dort aber nie recht machen. Jedes Werk ist ungenügend, jede Idee ist schlecht. Beim Menschen entstehen so Depressionen. Beim Hund auch.

Tipp 5: Erfolge zu schaffen ist einfach. Nasenarbeit, Gerätearbeit ohne Eile und intelligente Spiele sind nur einige von vielen Beschäftigungen, die Spaß machen und dem Hund das Gefühl geben, doch ziemlich brillant zu sein.

  

Am meisten brauchen hilflose Hunde jedoch Liebe. Nicht jene Liebe, die ein Blinderführhund erfährt, weil er so nützlich ist. Nicht jener als Liebe getarnter Egoismus, den unzählige Chihuahuas ertragen müssen, die als Accessoires auf dem Arm getragen werden.

Gemeint ist jene Liebe, die sich durch Vertrauen und Respekt auszeichnet. Vertrauen in die verborgenen Fähigkeiten des Hundes. Respekt vor den Bedürfnissen und Eigenheiten. Hunde sollten für das geliebt werden, was sie sind: fühlende, denkende Wesen.

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Hundeglück im Schuhkarton

Dezember 2012
 
Vor einer Woche kehrte ich aus Bilbao, Nordspanien, zurück. Dort erhielt ich freien Zugang zu einer Perrera (Tötungsstation) mit Hilfe einer mir verbundenen Tierschützerin, Rebecca Mönch von der Tierhilfe Arme Pfoten (http://www.arme-pfoten.eu/).
Seit vielen Jahren kooperieren Rebecca und ihre Mitstreiter mit den Tierschützern vor Ort, um Hunden ein besseres Leben zu ermöglichen, teils durch Adoptionen in Spanien, teils durch Emigration nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz.
Es gäbe viel zu berichten über die dort verbrachten Tage, doch ich möchte mich auf die schönen Momente beschränken. Rebecca und ich überlegten uns, wie wir den Hunden etwas Gutes tun können, denn alle mitnehmen konnten wir sie nicht, dafür gibt es schlicht nicht genügend Menschen, die einen Spanier aufnehmen möchten.
 
So entstand das "Hundeglück im Schuhkarton" (angelehnt an die Kinderaktion "Weihnachten im Schuhkarton"). Fast alle Hunde sitzen in kleinen Zwingern in Einzelhaft. Wochentags verlassen Sie für etwa zehn Minuten diese Zwinger, kommen in einen Auslauf, damit der Zwinger gereinigt werden kann. Und das war es. Kein Streicheln, keine Beschäftigung, kein Spielen, kein Spazierengehen. Dafür fehlen die freiwilligen Menschen.
Manche Hunde verbringen Jahre in diesen Zwingern.


vor der Abfahrt nach Spanien

In einem freien Leben in der Natur arbeiten Hunde viel mit ihrem Gebiss. Sie zerlegen ihre Beute, reißen das Fleisch von den Knochen. Das Malmen der Kieferknochen setzt Glückshormone frei, macht glücklich und zufrieden. Anstelle eines toten Rehs wollten wir den Hunden gefüllte Kartons in die Zwinger legen, die sie erkunden, aufreißen und einfach genießen durften. Stress abbauen, Beschäftigen ohne großen Aufwand für die Perrera-Mitarbeiter hieß das Ziel. Ein Moment wahren Glücks herbeiführen.
Auf unsere Bitten hin erreichten uns von Kunden und Tierschutzfreunden zahlreiche Kartons, liebevoll und kreativ gepackt. Am ersten Tag der Aktion stellten wir den zirka 40 Hunden die Päckchen in die Zwinger - sie wussten kaum was damit anzufangen. Sie waren so abgestumpft oder misstrauisch oder überdreht. Wir öffneten sie ein bisschen vor ihren Augen, und dann erledigten die Hunde begeistert den Rest.
 

 
Zeitungspapierfetzen flogen. Spielzeug wurde herumgeworfen. Leckerchen verschlungen. Kausachen hingebungsvoll zermalmt. Danach lagen leider nur wenige, aber immerhin ein paar Hunde hin, und schliefen inmitten von Pappresten zufrieden ein.
Am zweiten Tag gab es schon ein paar Profis, die sich auf die Kartons stürzten, kaum waren sie hingestellt. Und so geschah es, dass tatsächlich für eine gewisse Zeit lang kein einziger Hund bellte, heulte, jaulte. 27 Sekunden lang Stille. Es war die längste Zeitspanne Ruhe während meines ganzen Aufenthaltes dort.





Zu meiner großen Freude haben Tierschutzfreunde hierzulande die Idee aufgenommen, denn nicht nur spanische Hunde freuen sich über die Glückspäckchen. DANKE an alle Päckchen-Packer. Es waren wirklich großartige Überraschungen darin verborgen, und so mancher Hund hat wohl das erste Schweineohr seines Lebens im Maul gehabt. Danke, dass Sie uns dies ermöglicht haben!

  

Liebe Leser, noch ein Glücksmoment zum Schluss: Während ich diese Zeilen schreibe liegt Fitzwilliam neben mir, ehemals Rimbo, ein English Setter, der etwa eineinhalb Jahre in dieser Perrera verbrachte. Er hat sich im Laufe der Woche wunderbar bei uns eingefügt. Seine Hobbys: Schmusen, Essen klauen, im Wasserbett schlafen. Alles weitere muss noch entdeckt werden.
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10 Tipps für einen glücklichen Hund

(und vielleicht auch einen glücklichen Halter)

August 2012
  1. Konzentrieren Sie sich auf das, was Ihr Hund gut macht, und nicht das, was er schlecht macht
  2. Sagen Sie es Ihrem Hund, wenn er etwas tut, was richtig ist. Woher soll er wissen, was Sie gut finden, wenn Sie nur auf Dinge reagieren, die nicht so perfekt laufen?
  3. Bringen Sie Ihren Hund nur in Situationen, wo er sich gut benehmen kann
  4. Fordern Sie ihn, ohne ihn zu überfordern
  5. Machen Sie gutes Verhalten einfach
  6. Was macht Ihrem Hund Spaß? Wie wir machen sie Dinge gut, die sie lieben, und lieben Dinge, die sie gut machen
  7. Geben Sie ihm die Möglichkeit, Nein zu sagen
  8. Hunde haben nicht so viele Highlights pro Tag. Das Fressen sollte jedoch eines sein. Füttern Sie Ihren Hund mit Lebensmitteln, die ihm nicht nur gut bekommen, sondern die er auch gut findet
  9. Geben Sie Ihrem Hund das Gefühl, wichtig und nützlich zu sein. Lassen Sie ihn Aufgaben im Alltag übernehmen: Jacke ausziehen, Schlüssel bringen, Einkäufe tragen, Waschmaschine einräumen, Handy finden, Türen schließen, Socken sortieren, …
  10. Verbringen Sie Zeit miteinander, ohne Telefon und Terminkalender


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